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Medizin

Studie: Bisphenol A aus Plastik und Lacken macht Krebszellen chemoresistent

Freitag, 10. Oktober 2008

Cincinnati – Bisphenol A, eine in Plastikfolien und Beschichtungen von Konserven enthaltene Chemikalie, kann in Laborexperimenten eine Resistenz von Brustkrebszellen gegen Zytostatika induzieren. Nach der Publikation in Environmental Health Perspectives (2008; doi: 10.1289/ehp.11788) tritt der Effekt bereits in Konzentrationen von Bisphenol A auf, die bei Erwachsenen im Blut häufig sind. 

Bisphenol A wird bei der Produktion von Kunststoffen aus Polycarbonat verwendet, aus denen beispielsweise Plastikschüsseln oder Babyfläschchen bestehen. Die Chemikalie ist aber auch in Epoxydharzlacken enthalten, die sich in Konservendosen und auf Folienverpackungen befinden.

Von dort gelangt Bisphenol A (vor allem bei Erwärmung) in Speisen und Getränke. Daher ist bei fast allen Menschen Bisphenol A im Blut nachweisbar (bei 93 Prozent in einer Studie der US-Centers of Disease Control and Prevention).

Im Körper entfaltet Bisphenol A eine östrogenähnliche Wirkung, und die Substanz steht seit einiger Zeit im Verdacht krebserregend zu sein, weshalb Kanada im April 2008 Babyflaschen aus Kunststoff ganz verbot.

Die US-amerikanischen und die europäischen Behörden beschränken sich bisher auf Grenzwerte. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat den Grenzwert kürzlich sogar von 10 auf 50 µg/kg pro Tag angehoben.

Im Blutplasma eines Erwachsenen lassen sich zwischen 0,2 und 10ng/ml Bisphenol A nachweisen. Das entspricht einer Konzentration von 0,5 bis 40 Nanomolar (nM). In diesem Bereich erzielte Nira Ben-Jonathan von der Universität von Cincinnati in Ohio in in-vitro-Experimenten Effekte, die auf eine verminderte Aktivität der Chemotherapie beim Mammakarzinom hindeuten. So hemmte Bisphenol A die zelltoxische Wirkung von Doxorubicin auf Tumorzellen bereits in einer Konzentration von 1 bis 1 nM. 

Die Forscherin vermutete zunächst, dass Bisphenol A die Wirkung auf ähnliche Weise erzielt wie Diethylstilbestrol (DES), einem bekannten Karzinogen mit einer ähnlichen chemischen Struktur wie Bisphenol A. Dies war aber nicht der Fall. DES stimuliert die Proliferation der Tumorzellen, während Bisphenol A die Tumorzellen eher vor dem Angriff eines Zytostatikums schützt. Es verhindert eine durch das Zytostatikum induzierte Apoptose der Tumorzelle.

Die Wirkung war dosisabhängig und nicht allein auf Doxorubicin beschränkt. Auch die Resistenz gegenüber Vinblastin und Cisplatin wurde gesteigert. Da die Effekte bei Konzentrationen erzielt wurden, die der Exposition der Bevölkerung entsprechen, wirft die Studie sicherlich neue Frage hinsichtlich der Unbedenklichkeit von Bisphenol A auf. © rme/aerzteblatt.de

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