NewsMedizinStudie: Genabschaltung geht Suizid voraus
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Studie: Genabschaltung geht Suizid voraus

Montag, 27. Oktober 2008

London/Ontario – Depressionen sind in der Regel langjährige Erkrankungen, die möglicherweise Spuren in den Genen hinterlassen. Eine Studie in Biological Psychology (2008; 64: 645-652) zeigt, dass bei Suizidopfern häufig das Gen für einen Rezeptor des Neurotransmitters Gamma-Aminobuttersäure (GABA) abgeschaltet ist.

Das menschliche Erbgut ist in jeder (kernhaltigen) menschlichen Zelle komplett vorhanden, aber nur ein kleiner Teil der Gene wird in den spezialisierten Zellen benötigt. Diese angeschalteten Gene entscheiden darüber, ob eine Zelle als Sinneszelle im Auge oder als Hautzelle tätig ist.

Nicht benötigte Gene können, beispielsweise durch Anhängen von Methylgruppen durch das Enzym DNA-Methyltransferase (DNMT) langfristig ausgeschaltet werden. Die Aktivität von DNMT ist nicht allein erblich festgelegt. Auch epigenetische Umweltfaktoren spielen eine Rolle. In Organen, deren Zellen sich nicht erneuern, hat dies dann langfristige Auswirkungen. Zu diesen Organen gehört das menschliche Gehirn. 

Zu den Krankheiten, denen häufig eine langjährige Leidensgeschichte vorangeht, gehört die Suizidalität von Patienten mit Depressionen. Michael Poulter von der Universität London in West-Ontario/Kanada hat auf der Suche nach möglichen epigenetischen Genabschaltungen das Gehirn von Patienten untersucht, die sich das Leben genommen hatten.

Die Hirnforscher fanden in bestimmten Regionen, darunter dem frontopolaren Cortex, den Corpora amygdala und dem Nucleus paraventricularis des Hypothalamus einen bis zu zehnfachen Anstieg der DNMT-Konzentration im Vergleich zu Gehirnen von Kontrollpersonen, die eines natürlichen Todes gestorben waren. Im frontopolaren Cortex glauben die Forscher auch das Ziel des Methylierungsprozesses erkannt zu haben.

Es handelt sich um den Promoter (Steuergen) für die Untereinheit Alpha 1 im Rezeptor A von GABA. Da GABA mit der Pathogenese der Depressionen in Zusammenhang steht und der frontopolare Cortex eine für menschliche Entscheidungsprozesse relevante Hirnregion ist, fügen sich die Ergebnisse plausibel in das Krankheitsbild von Depression und Suizidalität.

Die Studie zeigt nach Einschätzung von John Krystal vom Connecticut Mental Health Center, dem Chefredakteur von Biological Psychiatry, dass langfristige Umwelteinflüsse bis tief in die Gene einwirken können. Dass diese Erkenntnis dereinst neue therapeutische Konsequenzen haben könnte, dürfte derzeit jedoch noch die ferne Wunschvorstellung eines Grundlagenforschers sein. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

NEWSLETTER