NewsÄrzteschaftNAV-Jahreshaupt­versammlung: Kritik an E-Card
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

NAV-Jahreshaupt­versammlung: Kritik an E-Card

Freitag, 14. November 2008

Berlin – Ärztinnen und Ärzte sollten klare Vorgaben definieren, ob und unter welchen Umständen sensible Patientendaten gespeichert werden dürfen. Dies hat der Vorsitzende des NAV-Virchow-Bundes, Klaus Bittmann, bei der Jahreshauptversammlung seines Verbandes in Berlin gefordert.

Mit Blick auf die Debatte über die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte merkte Bittmann an, Ärzte würden sich in technischen Fragen zu wenig auskennen. Deshalb sollten sie Grundsätze formulieren, wie mit der neuen Technik umgegangen werden sollte.

„Wer die Datenhoheit hat, hat die Macht. Diese Macht dürfen wir nicht abgeben“, sagte Bittmann vor den NAV-Delegierten, die sich in diesem Jahr schwerpunktmäßig mit datenschutzrechtlichen Problemen der Informationstechnologie beschäftigen. Datenmissbrauch drohe von verschiedenen Seiten.

Zum einen könnten die Krankenkassen Patientendaten nutzen, um steuernd in die Gesundheitsversorgung einzugreifen. Noch gravierender aber wäre es, wenn die Daten von staatlicher Seite zweckentfremdet würden. „Wir leben glücklicherweise in einer Demokratie. Sollte sich das aber irgendwann einmal ändern, wollen wir nicht dabei geholfen haben, dass die Türen offen stehen“, warnte Bittmann.

Deutschland befinde sich in einem schleichenden Prozess des Übergriffes der „Krake Staat“ auf das Gesundheitswesen. Die Datensammelwut des Staates sei mit Videoüberwachung, Vorratsdatenspeicherung und der lebenslangen Steuernummer
längst erkennbar. „Der Weg zum Überwachungsstaat ist beschritten. Jetzt wirdauch das Gesundheitswesen davon erfasst“, kritisierte Bittmann.

Die ehemalige Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) machte in ihrem Gastvortrag einen Trend aus, dass datenschutzrechtliche Hürden oder Zweckbindungen der erhobenen Daten von der Politik immer schneller in Frage gestellt würden.  Dies verdeutliche die Debatte über eine Verwendung der über das Mautsystem Toll-Collect gewonnenen Daten für Ermittlungszwecke.

Die Datenschutzexpertin kritisierte, dass bei der Diskussion über die elektronische Gesundheitskarte, die Interessen der Patienten und Ärzte erst an zweiter oder dritter Stelle stünden. Im Vordergrund ständen vor allem wirtschaftliche Erwägungen.

Die Krankenkassen hätten ein Interesse,  mithilfe der Gesundheitskarte steuernd in die Versorgung einzugreifen und Kosten zu senken, berichtete Peter Schaar, Bundesbeauftragter für den Datenschutz. Die nun angestrebte Infrastruktur sei aber für eine solche Einflussnahme ungeeignet. Schaar erklärte, beim E-Card-Projekt sei ein umfassender gesetzlicher Datenschutz erreicht worden. Nun komme es aber darauf an, die gesetzlichen Vorgaben umzusetzen.

Franz-Josef Bartmann, E-Card-Experte der Bundes­ärzte­kammer, stimmte dem zu. Er verwies darauf, dass die Datensicherheit bei einigen mit einer EDV-Lösung gekoppelten Versorgungsverträge weitaus gefährdeter sei, als  dies bei der E-Card der Fall wäre. Auch würden heute viele Praxisrechner nicht den Sicherheitsanforderungen gerecht, die für die elektronische Gesundheitskarte gelten würden. © SR/aerzteblatt.de

Anzeige
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

23. Oktober 2019
Berlin – Die Hausärztliche Vertragsgemeinschaft (HÄVG) und die Versandapotheke DocMorris haben ein Pilotprojekt zur digitalen Rezeptübermittlung gestartet. Im nächsten Schritt soll eine Prüfmodul zur
Pilotprojekt testet elektronische Rezeptübermittlung
23. Oktober 2019
Frankfurt am Main – Die diesjährige Haupt­ver­samm­lung des Marburger Bund (MB) Hessen stand ganz im Zeichen der Digitalisierung im Gesundheitswesen. Kern der Diskussionen waren dabei vor allem digitale
MB Hessen ruft nach Nutzennachweis für Gesundheits-Apps
23. Oktober 2019
München – Das europaweite Marktvolumen für digitale Produkte und Dienstleistungen im Gesundheitswesen soll bis 2025 voraussichtlich rund 155 Milliarden Euro betragen. 38 Milliarden Euro davon sollen
Der digitale Gesundheitsmarkt wächst
21. Oktober 2019
Berlin – Führende Digital-Unternehmer im Gesundheitswesen wollen mit einem neugegründeten Verband besser ins Gespräch in der Gesundheitspolitik und vor allem mit Ärzteverbänden und Krankenkassen
Spahn dämpft Erwartungen der App-Unternehmer
21. Oktober 2019
Saarbrücken – Für rund 200 von 400 Vertragsärzten und Vertragspsychotherapeuten im Saarland, die bislang ihre Praxen nicht an die Tele­ma­tik­infra­struk­tur (TI) angeschlossen haben, gibt es in diesem
Honorareinbußen auch für saarländische Praxen
18. Oktober 2019
Berlin – Krankenkassen müssen Arbeitgebern die Arbeits­unfähigkeits­bescheinigung (AU) eines Versicherten ab 2021 digital bereitstellen. Dennoch sollen Ärzte ihren Patienten weiterhin einen
KBV weiterhin gegen Papierausdruck bei AU-Bescheinigungen
18. Oktober 2019
Hannover – Rund 1,2 Millionen Euro hat die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) im 1. und 2. Quartal des laufenden Jahres von Verweigerern der Tele­ma­tik­infra­struk­tur (TI) einbehalten. Das
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER