Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Hoppe: Deutliche Worte zur Mitschuld der Ärzte an NS-Verbrechen

Montag, 17. November 2008

Gießen – „Die Wahrheit ist: Ärzte haben in der Zeit des Nationalsozialismus Tod und Leiden von Menschen herbeigeführt, angeordnet oder gnadenlos verwaltet.“ Das sagte der Präsident der Bundes­ärzte­kammer, Jörg-Dietrich Hoppe, auf einer Tagung der Universität Gießen Mitte November.

Außerdem habe sich die Ärzteschaft nach den Zweiten Weltkrieg zu spät zu der Schuld von Ärzten im Nationalsozialismus bekannt. Eine wirkliche Auseinandersetzung mit den von Ärzten begangenen Verfehlungen und Verbrechen habe es bis weit in die 70er-Jahre hinein nicht gegeben.

Kritische Ärzte, die ihre Ablehnung der Nazi-Verbrechen während öffentlich kundtaten, gab es laut Hoppe zwischen 1933 und 1945 nur verschwindend wenige. Die übergroße Mehrheit der Ärzte habe geschwiegen oder war einverstanden.

„Die Erkenntnis, dass Ärztinnen und Ärzte nicht nur weggesehen und geschwiegen haben, sondern aktiv an der systematischen Ermordung von Kranken und so genannten gesellschaftlichen Randgruppen mitgewirkt haben, ist nicht erträglich“; sagte Hoppe.
Die Forschung aber zeige, dass es nicht allein Feigheit und Opportunismus gewesen seien, die so manchen Arzt geleitet hätten, sondern auch Überzeugung. „Die nationalsozialistische Ideologie traf in der Ärzteschaft auf fruchtbaren Boden [...]

Die „Euthanasie“-Verbrechen sind daher eine eindringliche Mahnung, die ärztlichen Grundwerte gegen den Zeitgeist und staatliche Eingriffe zu verteidigen“, betonte der BÄK-Präsident. © hil/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

04.05.17
Berlin – Auch im Nationalsozialismus haben sich faschistisch geprägte Ärzte mit dem Fach „Medizinische Ethik“ befasst und entsprechende Lehrveranstaltungen gehalten. Das zeigt eine Studie von Florian......
03.05.17
München – Nach dem Fund von Hirnpräparaten aus der Zeit des Nationalsozialismus will die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) im Juni ein Forschungsprojekt zur Identifizierung von „Euthanasie“-Opfern......
27.01.17
Bundestag erinnert in Gedenkstunde an „Euthanasie-Morde“ des NS-Regimes
Berlin – Der Bundestag hat am Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz der Opfer der sogenannten Euthanasie-Morde gedacht. „Zwischen Euthanasie und dem Völkermord an den europäischen......
26.01.17
Hamburg – Die Ermordung von Behinderten, Kranken und Pflegebedürftigen war das erste vom NS-Regime in Gang gesetzte systematische Massenmordprogramm – und bis heute werden dessen Ausmaße häufig......
07.11.16
Berlin – Wissenschaftliche Arbeiten, die die Geschichte der Ärzte in der Zeit des Nationalsozialismus aufarbeiten, können nun wieder prämiert werden. Für das Jahr 2017 haben......
31.10.16
Berlin – Die Aufarbeitung der Medizinverbrechen zu Zeiten des Nationalsozialismus ist nach Ansicht von Historiker Dominik Groß noch lange nicht abgeschlossen. „Mit jeder Antwort stellen sich neue......
29.01.14
Berlin – Am 27. Januar eröffnete Bundestagsvizepräsidentin Ulla Schmidt (SPD), vielen Ärzten noch als Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin im Gedächtnis, in Berlin die von der Deutschen Gesellschaft für......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige