Medizin

Bräunungs-Junkies: Internethandel mit nicht zugelassenem Hormon

Montag, 17. November 2008

London – Ein Wirkstoff, der die Melaninproduktion in der Haut stimuliert, ist in den Internethandel gelangt. Websites versprechen eine Bräunung ohne Sonne, während die Arzneibehörden die Verbraucher vor den potenziellen Risiken des nicht zugelassenen Wirkstoffs warnen.

Afamelanotid oder CUV1647 ist eine Entwicklung des im australischen Melbourne ansässigen Herstellers Clinuvel. Es handelt sich um ein synthetisches Analogon des Alpha-Melanozyten stimulierenden Hormons (alpha-MSH), das natürlicherweise in der Haut nach der Stimulierung durch UV-Licht freigesetzt wird und die Melanin-Produktion steigert.

Die Folge ist eine zunehmende Bräunung, die nach wenigen Tagen einsetzt und ein bis zwei Monate anhält. Das Analogon CUV1647 ist nach Angaben des Herstellers 10 bis 100-fach stärker wirksam als alpha-MSH, und die Wirkung soll nicht auf den Injektionsort beschränkt sein, sondern die gesamte Haut bräunen. 

Der Hersteller lässt derzeit ein Implantat, das den Wirkstoff kontinuierlich freisetzt, in einer Phase-III-Studie an Patienten mit polymorpher Lichtdermatose (PLD) prüfen. Bei dieser häufigsten Form der Photodermatosen reagiert die Haut auf die intensivere Lichtbestrahlung in den Sommermonaten (oder im Urlaub) mit Plaques und Papulo-Vesikeln bis hin zu Bullae, die sich vor allem an Brustausschnitt, Streckseiten der Arme, Handrücken, Beine und Rumpf bemerkbar machen. Das Hautkrebsrisiko ist erhöht.

Betroffen sind vor allem hellhäutige Menschen, die intensiver UV-Strahlung ausgesetzt sind, zum Beispiel Australier britischer Herkunft. Ergebnisse der Phase-III-Studie sollen Ende 2009 vorliegen. Erst dann wird sich zeigen, ob die Therapie nicht nur effektiv, sondern auch sicher ist, was bei hormonähnlichen Substanzen niemals vorhersehbar ist. Zudem wirkt das Hormon auf die Ausgangszelle des malignen Melanoms.

Deshalb reagieren die Zulassungsbehörden sensibel auf Meldungen, nach denen CUV1647 im Internet gehandelt wird. Im letzten Jahr hatte die FDA einen Hersteller abgemahnt, der das synthetische Hormon als Melanotan II verkauft hatte. Jetzt ist Melanotan erneut aufgetaucht. Im Internet wird es als probates Mittel für eine  Bräunung ohne Sonne angepriesen.

Die Tatsache, dass der Wirkstoff subkutan appliziert werden muss und die Applikationsintervalle außer im Implantat regelmäßig erfolgen muss, scheint einige Verbraucher nicht abzuschrecken.


Die britische BBC berichtete, dass die Nachfrage nach Injektionsnadeln in den Drogenberatungszentren zugenommen habe. Auf Youtube gibt es zahlreiche Videos (darunter eines zur chirurgischen Entfernung von Sommersprossen, eine der vorhersehbaren Nebenwirkungen des Wirkstoffs) und die Suchmaschinen listen Anbieter des Wirkstoffs auf. 

Die britische Arzneibehörde Medicines and Healthcare products Regulatory Agency (MHPR) warnte jetzt die Verbraucher vor Melanotan. Neben den nicht vorhersehbaren Folgen für die Gesundheit wird vor allem auf die Infektionsrisiken der subkutanen Injektion hingewiesen.

Der Wirkstoff muss vor der Injektion in Wasser verdünnt werden, und es besteht die nicht ganz unbegründete Befürchtung, dass dies nicht allen Anwendern unter sterilen Bedingungen gelingt, ganz abgesehen vom HIV- und Hepatitis-C-Risiko beim Needle-Sharing.

Dem BBC-Bericht zufolge wurden in den letzten Monaten 18 Websites abgemahnt. Auch auf deutschsprachigen Seiten häufen sich Erfahrungsberichten mit der Barbie-Droge. Vor allem in der Body-Building-Szene scheinen die Hemmungen gering zu sein. © rme/aerzteblatt.de

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