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Ausland

Menschenrechtsgericht lehnt Aufschub bei Wachkoma-Patientin ab

Donnerstag, 20. November 2008

Straßburg – Der Europäische Menschenrechtsgerichtshof hat den Erlass einer einstweiligen Verfügung im Fall der italienischen Wachkoma-Patientin Eluana Englaro abgelehnt. Das Straßburger Gericht werde jetzt aber prüfen, ob die Klage zulässig sei, teilte der Menschenrechtsgerichtshof am Donnerstag mit. Wenn dies der Fall sei, werde das Gericht auch in der Sache entscheiden. Die 37-jährige Englaro liegt seit 17 Jahren im Koma. 

Mehrere italienische Verbände hatten am Dienstag in Straßburg Klage eingereicht, um zu verhindern, dass ihre künstliche Ernährung eingestellt wird. Sie wollten zugleich eine einstweilige Verfügung erwirken, um zu verhindern, dass vor einem Urteil vollendete Tatsachen geschaffen werden. 

Italiens höchstes Berufungsgericht hatte vor einer Woche juristisch den Weg für einen Abbruch der künstlichen Ernährung der seit 1992 bewusstlosen Italienerin freigemacht. Zahlreiche Politiker und die katholische Kirche forderten daraufhin ein Überdenken des Urteils sowie klare gesetzliche Regelungen für Sterbehilfe und Patientenverfügungen.

Der wissenschaftliche Beirat des italienischen Ge­sund­heits­mi­nis­teriums warnte vor einem ethischen Dammbruch. Die Patientin würde bei einem Abbruch der Ernährung nicht an ihrer Erkrankung, sondern an Hunger und Durst sterben, sagte der Präsident des Komitees, Franco Cuccurullo, der Tageszeitung "Avvenire" vom Donnerstag.

Er warnte eindringlich vor Folgen eines möglichen Präzendenzfalls. Für Personen, die nicht mehr selbst entscheiden könnten, öffne sich ein "gefährlicher Abgrund". © kna/aerzteblatt.de

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