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Medizin

Zweiter Lepra-Erreger entdeckt

Mittwoch, 26. November 2008

Houston – US-Forscher haben einen zweiten Lepraerreger entdeckt. Mycobacterium lepromatosi ist einer Publikation im American Journal of Clinical Pathology (2008; 130: 856-864) zufolge Ursache einer besonders schweren Verlaufsform der Erkrankung.

Die diffuse lepromatöse Lepra (DLL) ist vor allem in Mexiko und der Karibik verbreitet. Sie endet häufig tödlich, weil die Erreger die Blutgefäße angreifen. Das hat Durchblutungsstörungen ausgedehnte Hautnekrosen zur Folge. Es kommt zu Superinfektionen, die Patienten sterben im septischen Schock. Dieser für die Lepra ungewöhnliche Verlauf ließ Xiang-Yang Han vom M. D. Anderson Cancer Center in Houston vermuten, dass die DLL von einer Variante des Lepra-Erregers M. leprae verursacht wird.

Han ist spezialisiert auf den Nachweis von unbekannten Erregern. Vor einigen Jahren entwickelte er ein Verfahren, das genetische Unterschiede in der 16S-Untereinheit der Ribosomen nachweist, die für einzelne Bakterien spezifisch ist. Der Nachweis gelingt an genetischen Spuren der Erreger aus Biopsien. Eine kulturelle Vermehrung, die bei Leprabakterien niemals gelungen ist, ist nicht erforderlich.

Aus den Gewebeproben zweier Patienten, die an einer DLL gestorben waren, konnte Han Gene der 16S-Untereinheit isolieren. Die Sequenz unterschied sich signifikant von allen bisher bekannten 110 Mykobakterien. Die Differenz zu M. leprae betrug zwar nur 2,1 Prozent. Alle früher untersuchten Proben von M. leprae waren jedoch nahezu identisch, weshalb Han sich berechtigt fühlt, der Variante einen eigenen Namen zuzuordnen: M. lepromatosi.

Der nächste Schritt besteht in der Sequenzierung des gesamten Genoms von M. lepromatosi, was kein unüberwindbares Hindernis sein sollte, denn das Genom von M. leprae konnte bereits vollkommen entschlüsselt werden. Dabei wurde auch festgestellt, warum M. leprae das sich am langsamsten teilende aller bekannten Bakterien ist. Über die Hälfte des Genoms besteht aus defekten Genen des Tuberkuloseerregers M. tuberculosum. Die Forscher sprechen von einem Rückfall in der Stammesgeschichte (reduktive Evolution). Trotzdem kann der Lepraerreger dem Menschen gefährlich werden. Die Forscher vermuten, dass nicht der Erreger selbst für die rasche Nekrose der Haut bei der DLL verantwortlich ist, sondern eine überschießende Immunreaktion des Körpers. © rme/aerzteblatt.de

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