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Medizin

Präimplantationsdiagnostik: Erstes Baby ohne Brustkrebsgen geboren

Freitag, 9. Januar 2009

London – An einer Klinik der britischen Hauptstadt wurde erstmals ein Mädchen geboren, bei dem nach der In-vitro-Fertilisierung (IVF) aber vor der Implantation in den Uterus ein Gendefekt ausgeschlossen wurde, der mit einem hohen Brustkrebsrisiko einhergeht. 

In der Familie des Vaters sind Presseberichten zufolge seit drei Generationen mehrmals Frauen im dritten Lebensjahrzehnt an Brustkrebs erkrankt. Das wäre, wenn es denn zuträfe, auch für Träger von BRCA1-Genen ungewöhnlich früh.

Bekannt ist aber, dass BRCA1- Trägerinnen ein 80-prozentiges Lebenszeitrisiko auf ein Mammakarzinom haben, und sie entwickeln – was noch schlimmer ist, da diese Krebserkrankung häufig zu spät erkannt wird – zu 60 Prozent ein Ovarialkarzinom. Die britische Aufsichtsbehörde Human Fertilisation and Embryology Authority genehmigte deshalb im Jahr 2006 die Präimplantationsdiagnostik (PID) zum Ausschluss dieses Risikogens.

Das Wohlergehen des Kindes wurde damit über die ethischen Bedenken gestellt, die vor allem die bewusste Selektion von Embryonen aufgrund von gewünschten genetischen Eigenschaften betrifft. Einige Kritiker sehen in der Genehmigung der PID zum Ausschluss von Krankheitsrisiken einen weiteren Schritt hin zum “Designer-Baby” mit gewünschter Augen-oder Haarfarbe, was allerdings mit der PID in der Regel nicht möglich wäre (sofern das Merkmal nicht bei den Eltern vorhanden ist).

Die Human Fertilisation and Embryology Authority hatte im Dezember vor Missverständnissen gewarnt. Die PID sei kein Verfahren, mit dem Änderungen im Erbgut vorgenommen werden. Es eröffne aber die Möglichkeit, genetische Erkrankungen zu vermeiden, sofern die Erbmasse der Eltern auch Embryonen ermöglicht, die frei von dem betroffenen Gen sind.

Im vorliegenden Fall wurden der Frau, wie bei der Vorbereitung auf eine konventionelle IVF üblich, mehrere Eizellen entnommen. Diese wurden dann im Labor befruchtet. Als die entstandenen Embryonen das Acht-Zell-Stadium erreicht hatten, wurde den Embryonen eine oder zwei Zellen entnommen und auf das (Vorhandensein von Mutationen im) BRCA1-Gen hin untersucht. Danach wurde ein Embryo implantiert, der dieses Merkmal nicht trug.

Es ist keineswegs das erste Mal, dass die PID zum Ausschluss von genetischen Krebserkrankungen angewendet wurde. Das University College London bietet das Verfahren auch zur Vermeidung von Darmkrebs (durch Mutationen im APC-Gen) und von Retinoblastomen an.

Eine PID zu den beiden (wichtigsten) Brustkrebsgenen BRCA1 und 2 bietet sich vor allem in Bevölkerungsgruppen an, in denen dieses Merkmal besonders häufig ist. Dazu gehören Juden osteuropäischer Herkunft (Ashkenasi), von denen einer von 40 Träger von BRCA1 oder 2 ist.

Das University College London hat im Herbst das “Genetic Cancer Prediction through Population Screening” (GCaPPS) ins Leben gerufen. Gescreent werden Frauen in Mill Hill, einem Stadtteil im Norden Londons mit einer größeren orthodoxen jüdischen Gemeinde. Man darf der Klinik sicherlich unterstellen, dass das Projekt auch mit dem Hintergedanken begonnen wurde, den betroffenen Frauen eine PID anzubieten. © rme/aerzteblatt.de 

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