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Medizin

Komplikationen nach rückenmarksnahen Regionalanästhesien eher selten

Montag, 12. Januar 2009

Bath – Eine Querschnittsstudie in britischen Kliniken zeigt, das die rückenmarksnahe Regionalanästhesie sicherer ist als ihr Ruf. Nach einer Publikation im British Journal of Anaesthesia (2009; doi: 10.1093/bja/aen360) beträgt die Inzidenz schwerer Komplikationen zwischen 2 und 4,2 pro 100.000 Regionalanästhesien. Das Risiko ist in der Geburtshilfe geringer als in der operativen Chirurgie.

Im Rahmen des 3rd National Audit Project hatten alle Kliniken in England, Schottland, Wales und Nordirland in einem Zeitraum von zwei Wochen sämtliche Spinal- oder Periduralanästhesien, kombinierten Anästhesien und  Kaudalanästhesien protokolliert. Unter den 707.455 rückenmarksnahen Regionalanästhesien wurden 84 Komplikationen beobachtet, von denen 52 von einem Team um den Anästhesisten Tim Cook vom Royal United Hospital in Bath auswertet werden konnten.

Bei einer pessimistischen Annahme waren 30 Komplikationen Folge der Regionalanästhesie, bei einer optimistischen Annahme waren es 14 Komplikationen. Das ergibt eine Inzidenz unter pessimistischer Annahme von 4,2/100.000 (95-Prozent-Konfidenzintervall 2,9-6,1). Unter optimistischer Annahme beträgt die Inzidenz von 2,0/100.0000 (1,1-3,3), ein günstiges Ergebnis, wenn man bedenkt, dass die Schätzungen bisher von einer Komplikationsrate von bis zu 1:1000 ausgingen.

Die Komplikationen können jedoch schwerwiegende Folgen haben. 5 oder 13 Patienten wurden (wieder nach pessimistischer oder optimistischer Annahme) infolge der Regionalanästhesie paraplegisch. Von diesen starben 3 bis 6 Patienten, wobei die unterschiedlichen Zahlen sich wieder daraus ergeben, dass die Kausalität im Einzelfall schwer herzustellen ist. 

Unter den 30 Komplikationen waren 8 Epiduralabszesse, 7 Nervenverletzungen, 5 Hämatome im Vertebralkanal, 4 Rückenmarkinfarkte, 3 Herzkreislaufkollapse, eine falsche Injektionsroute und zwei nicht spezifizierte Komplikationen. Bei zwei Drittel der Patienten bildeten sich die Schäden innerhalb von sechs Monaten zurück.

In der Geburtshilfe ist es in keinem Fall zu einer Paraplegie gekommen. Das höhere Risiko in der Chirurgie führen die Autoren auf die dort älteren und oft multimorbiden Patienten zurück. © rme/aerzteblatt.de

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