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Medizin

Erkältungsmittel reizt Atemwege

Dienstag, 13. Januar 2009

Winston Salem – Eine auch in Deutschland häufig verwendete Erkältungssalbe hatte in einer US-Studie in Chest (2009: 135: 143-148) eine irritierende Wirkung auf die Atemwege, was in der klinischen Anwendung die Symptome eher verstärken statt lindern könnte. 

Anlass für die Studie war der Fall eines 18 Monate alten Mädchens, das nach der Anwendung von Vicks® VapoRub® (VVR) eine akute Atemnot entwickelte, berichtet Bruce Rubin vom Brenner Children's Hospital an der Wake Forest Universität in Winston Salem/North Carolina.

Dazu muss angemerkt werden, dass die Anwendung von VVR bei Kindern unter 2 Jahren kontraindiziert ist. Die Verbraucherinformation verbietet außerdem die inhalative Anwendung bei Kindern unter 6 Jahren.

Dieser Ratschlag wird jedoch nach Erfahrung Rubins häufig nicht befolgt, wodurch die Eltern ihren Kindern möglicherweise Schaden zufügen. Denn die Wirkstoffe in VVR, vor allem das Menthol, können eine irritative Wirkung auf die Atemwege haben, wie die Ergebnisse der Experimente zeigten, die der Pädiater an Frettchen durchgeführt hat, deren Atemwege dem menschlichen Gewebe in Aufbau und Funktion ähnlich sind.

Nach der Darstellung in der Pressemitteilung des American College of Chest Physicians kam es in-vitro unter Einwirkung von VVR zu einem Anstieg der Mukussekretion um 59 Prozent, in-vivo steigerte VVR die Mukusproduktion in normalen Atemwegen um 14 Prozent, in entzündeten Atemwegen um 8 Prozent.

In den In-vitro-Experimenten konnte Rubin auch einen Rückgang der Mukus-Clearance bei 36 Prozent der Fälle nachweisen (im in-vivo-Modell bessert sich dieser Parameter aber, wie man hinzufügen sollte).

Insgesamt würde VVR aber das Gegenteil von dem erzeugen, was die Firma behauptet und was die Verbraucher seit mehr als hundert Jahren glauben. VVR kam 1891 in den USA auf dem Markt und gehört heute zu den umsatzstärksten Erkältungsmitteln. “The only thing more powerful than a mother's touch”, lautete ein US-Werbeslogan.

Dennoch würden die Anwender getäuscht, behauptet Rubin und zwar durch den Bestandteil Menthol. Menthol erzeuge in der Nasenschleimhaut einen Kältereiz, der dem Gehirn signalisiere, dass die Atemwege frei sind, obwohl sie in Wirklichkeit, sofern die Ergebnisse von Rubin zutreffen, eher die Kongestion durch eine vermehrte Mukusbildung zunimmt.

Anwender von VVR fühlen sich besser, aber sie atmen nicht besser, meint Rubin, der deshalb von der Anwendung von mentholhaltigen Erkältungsmitteln abrät (neben VVR gibt es eine Reihe weiterer Präparate).

Rubins Hausmittel gegen eine verstopfte Nase ist neben der sanften Anwendung eines Nasenschleimabsaugers die Inhalation mit Salzwasser, warme Getränke und eine Hühnersuppe. Diese Maßnahmen sollen die Wasserabgabe über die Atemwege steigern, was das Abhusten des verflüssigten Schleim erleichtert. © rme/aerzteblatt.de

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