Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Pneumokokkenimpfstoff: Weniger Meningitis – Mehr Resistenzen

Donnerstag, 15. Januar 2009

Pittsburgh – Seit der Einführung des 7-valenten Pneumokokken-Konjugat-Impfstoffs (PV7) ist in den USA die Zahl der Meningitis-Erkrankungen, die von diesem Impfstoff erfasst werden, deutlich gesunken.

Die Zahl der Meningitiden durch Non-PV7-Serotypen steigt einer Studie im New England Journal of Medicine (NEJM 2009; 360: 244-256) jedoch langsam an. Darunter sind zunehmend auch antibiotikaresistente Stämme.

In den USA wurde der PV7 im Jahr 2000 eingeführt. Er wird trotz der Notwendigkeit mehrerer Impftermine von der Bevölkerung gut angenommen. Im Jahr 2006 hatten mehr als zwei Drittel der Kinder die komplette Serie von vier oder mehr Impfungen erhalten.

Die berechtigte Angst vor einer tödlichen Meningitis dürfte die Motivation der Bevölkerung gefördert haben und die jetzt von Lee Harrison von der Universität Pittsburgh vorgestellten Zahlen zeigen, dass die Meningitiserkrankungen durch Pneumokokken insgesamt seltener geworden sind. Seit Einführung der Impfung ist die Inzidenz von 1,13 auf 0,79/100.000 Einwohner gefallen, was einem Rückgang um 30 Prozent entspricht. 

Dies ist allerdings nur eine Seite der Medaille. Impfungen können zwar Erreger eradizieren. Sie hinterlassen jedoch – in diesem Fall im Rachenraum – eine ökologische Nische, die von anderen Bakterien besetzt wird.

Es war zu befürchten, dass dazu auch die nicht vom Impfstoff erfassten Non-PCV-7-Serotypen der Pneumokokken gehören würden. Vor drei Jahren wurde ein solcher Trend bereits dokumentiert (NEJM 2006; 354: 1455-1463). Er hat sich seither fortgesetzt.

Meningitiden durch Non-PCV-7-Serotypen waren 1998/1999 noch in der Minderheit, 2004/2005 waren sie für die meisten Erkrankungen verantwortlich. Solange die Gesamtzahl der Pneumokokken-Meningitiden zurückgeht, stellt dies den Erfolg der Impfung nicht infrage.

In den letzten Jahren (Zeitraum 2003 bis 2005) ist jedoch eine weitere Entwicklung eingetreten, die Impfexperten verblüfft und Ärzte beunruhigt: Die Non-PCV-7-Stämme werden zunehmend resistent gegen Penicillin. Der Anteil der Stämme, bei denen dieses Antibiotika versagt, ist von 19,4 im Jahr 2003 auf 30,1 Prozent im Jahr 2005 gestiegen.

Die Impfexperten hatten gehofft, dass die Impfung die Zahl der Infektionen mit resistenten Erregern senkt. Dies scheint nicht der Fall zu sein. Ärzte könnte die Entwicklung im Einzelfall vor erhebliche Probleme stellen, denn die Zahl der Antibiotika, die ausreichende Konzentrationen im Liquor erreichen, ist begrenzt.

Vor einigen Jahren hatten Forscher ausgerechnet, dass der unkontrollierte Einsatz von Antibiotika vor allem im Kindesalter langfristig den Erfolg der PV7-Impfung gefährdet. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

18.05.17
Niamey – Die Behörden des westafrikanischen Staats Niger bekommen eine Meningitis-Epidemie nur langsam in den Griff. Wie die Vereinten Nationen gestern mitteilten, wurden seit dem 2. Januar mehr als......
11.05.17
Abuja – Durch eine Meningitis-Epidemie sind in Nigeria bereits mehr als 1.000 Menschen gestorben. Seit Ausbruch der Epidemie im November bis Anfang Mai seien 1.069 Tote registriert worden, teilten die......
09.05.17
Abuja/Berlin – In Nigeria sind in den vergangenen Monaten nach Angaben der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) 839 Menschen an Meningitis gestorben. Weitere 9.646 Krankheitsfälle seien......
20.04.17
Abuja – Die Meningitis-Epidemie in Nigeria verzeichnet weiter stark steigende Zahlen. Landesweit gebe es bereits mehr als 8.000 Verdachtsfälle, teilten die Behörden gestern in Abuja mit. Nach jüngsten......
18.04.17
Genf/Abuja – Bei einem Meningitis-Ausbruch in Nigeria sind der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge seit Jahresbeginn fast 500 Menschen gestorben. Anfang April waren die nigerianischen Behörden......
03.04.17
Abuja – Durch eine Meningitis-Epidemie sind in Nigeria binnen fünf Monaten 328 Menschen gestorben. Insgesamt hätten sich mehr als 2.500 Menschen infiziert, teilte das Gesundheitsministerium in Abuja......
08.09.16
Kleinkinder regional sehr unterschiedlich gegen Meningokokken geimpft
Berlin – In etlichen Regionen Deutschlands ist die Impfquote von Kleinkindern gegen Meningokokken weiterhin niedrig. Das zeigt eine neue Studie des sogenannten Versorgungsatlasses, einer Einrichtung......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige