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Medizin

Häufige Diskriminierung und Selbststig­matisierung von Schizo­phrenie-Patienten

Mittwoch, 21. Januar 2009

London –  Die Diagnose einer Schizophrenie ist für viele Patienten mit Nachteilen im Berufs- und Privatleben verbunden. Eine diskriminierende Behandlung der Patienten sind nach einer Studie im Lancet (2009: doi: 10.1016/S0140-6736(08)61817-6) ein weltweites Problem. Hinzu kommt eine Neigung viele Patienten zur Selbststigmatisierung.

Für die „International study of discrimination and stigma outcomes“ oder INDIGO-Studie hat die Gruppe um Graham Thornicroft vom King's College in London einen eigenen Fragebogen entwickelt. Ausgefüllt haben ihn 732 Patienten aus 27 Ländern.

Sie machten Angaben zu den erwarteten und tatsächlichen Auswirkungen der Erkrankung auf das alltägliche Leben einschließlich Arbeit, Ehe, Elternschaft, Beziehungen, Wohnungen, Freizeit und die Ausübung ihrer Religion.

Wie zu erwarten, berichten die Betroffenen in allen Bereichen über eine Diskriminierung und Stigmatisierung: 47 Prozent sagten, dass die Kenntnis der Krankheit Freundschaften zerbrechen ließ oder neue Bekanntschaften verhindert habe, 43 Prozent beklagten Nachteile in der Familie, 29 Prozent meinten, die Krankheit behindere sie bei der Jobsuche, gleich viele hatten Schwierigkeiten ihren Arbeitsplatz zu behalten. Bei 27 Prozent zerbrachen Partnerschaften.

Diese Einschätzung des Status quo erscheint fast noch positiv zu sein, wenn man bedenkt, dass viele Patienten vereinsamen und die Arbeitslosenrate unter Patienten mit Schizophrenie bis zu 95 Prozent beträgt.

Die Patienten verlässt angesichts ihrer beruflichen und privaten Aussichten der Mut. Viele neigen zur Selbststigmatisierung: Zwei Drittel (64 Prozent) gaben an, dass sie sich gar nicht mehr um einen Job bemühen, da sie ohnehin keine Chancen auf dem Arbeitsmarkt hätten.

Mehr als die Hälfte (55 Prozent) hält die Suche nach neuen Lebenspartnern für aussichtslos. Die meisten (72 Prozent) ziehen es angesichts ihrer Ängste und ihrer schlechten realen Erfolgschancen in Arbeits- und Privatleben vor, ihre Krankheit nach Möglichkeit zu verschweigen. 

Beate Schulze vom Fachzentrum für Katastrophen- und Wehrpsychiatrie an der Universität Zürich verweist im Editorial darauf, dass die Diskriminierung der Patienten nicht nur deren Menschenrechte verletze, sondern auch die Erfolgschancen der Therapie beeinträchtigt (Lancet 2009; doi: 10.1016/S0140-6736(08)61818-8).

Einer Studie Schulzes zufolge gibt es selbst bei den Psychiatern häufig negative Einstellungen gegenüber ihren Patienten. © rme/aerzteblatt.de

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