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Medizin

Demenzrisiko bei Eishockey- und Football-Spielern

Mittwoch, 28. Januar 2009

dpa

Montreal/Boston – Kopfverletzungen beim Sport sollten nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Nach einer Studie in Brain (2009; doi:10.1093/brain/awn347) können Gehirnerschütterung kognitive Folgeschäden haben, die noch Jahrzehnte später nachweisbar sind. In den USA sorgt eine Häufung von degenerativen Hirnerkrankungen unter Footballspielern für Aufregung. 

Eishockey und American Football sind körperbetonte Sportarten. Alle Spieler tragen zwar einen Kopfschutz, der jedoch keine absolute Sicherheit gegen Kopfverletzungen bietet. Louis de Beaumont von der Universität Montréal und Mitarbeiter haben 40 Männer im Alter zwischen 50 und 56 Jahren untersucht, die während ihrer Studienjahre in der Eishockey- oder Football-Mannschaft ihrer Uni gespielt hatten.

19 Männer erinnerten sich an eine bis fünf Gehirnerschütterungen. Die Hirntraumata lagen mittlerweile 27 bis 41 Jahre zurück. Doch die subtilen Untersuchungen zeigen, dass sie bleibende Spuren im Gehirn hinterlassen haben.

Die Störungen waren zwar nicht so ausgeprägt, dass sie im Mini-Mental Status Examination (MMSE) erkennbar waren, aber in speziellen Tests zu Kurz- und Langzeitgedächtnis oder zur Aufmerksamkeit (Flanker-Test) waren doch Defizite nachweisbar.

Auch die evozierten Potentiale – sie messen die Reaktionszeit des Gehirns auf externe Stimuli – waren verlangsamt. Schließlich schnitten die Sportler mit früheren Kopfverletzungen schlechter in einem Diadochokinese-Test ab, der die Fähigkeit zu schnellen Handbewegungen misst. 

Eine mögliche Folge der häufigen Kopfverletzungen beim Football ist eine chronisch traumatische Enzephalopathie (CTE), die ursprünglich bei Boxern als Dementia pugilistica beschrieben wurde. Wie beim Morbus Alzheimer, aber aus völlig anderen Gründen, kommt es in den Gehirnen der Patienten zu Ablagerung von Tau-Proteinen.

Die Veränderungen treten erst Monate oder Jahre nach dem Ende der sportlichen Karriere auf, sind dann aber unter Umständen nicht zu stoppen. Wie der Morbus Alzheimer kann eine sichere Diagnose erst nach dem Tod gestellt werden. Hirnforscher der Universität Boston versuchen seit einiger Zeit, die Gehirne von ehemaligen Spielern der National Football League (NFL) zu untersuchen.

Bislang konnten sechs Spieler autopsiert werden, die im Alter von 25 bis 50 Jahren aus anderen Gründen gestorben waren. In allen sechs Gehirnen stellten die Forscher die Diagnose einer CTE. Auch im Gehirn eines 18-jährigen Jungen, der aktiver Footballspieler war und mehrere Kopfverletzungen in der Anamnese hatte, wurden histologische Veränderungen nachgewiesen.

Der jüngste Fall eines NFL-Spielers wurde jetzt wenige Tage vor dem NFL-Finale /Super bowl) bekannt gegeben, was in der Presse für erhebliches Aufsehen sorgte. Sofort meldeten sich Exspieler, die über kognitive Probleme klagten, was allerdings nicht bedeuten muss, dass sie an einer CTE leiden.

Auch der Nachweis der morphologischen Veränderungen ist nicht gleichbedeutend mit einer bevorstehenden Demenz. Näheres wird man wohl wissenschaftlichen Publikationen zu entnehmen haben, welche die US-Forscher für die nächsten Monate ankündigten. © rme/aerzteblatt.de

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