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Medizin

Stammzellen: Ermutigende Ergebnisse im Frühstadium der multiplen Sklerose

Freitag, 30. Januar 2009

Chicago – Eine Therapie mit hämatopoetischen Stammzellen hat in einer kleineren Phase-I/II-Studie das Fortschreiten der multiplen Sklerose verlangsamt. Mangels Vergleichsgruppe sind die ermutigenden Ergebnisse in Lancet Neurology (2009; doi:10.1016/S1474-4422(09)70017-1) jedoch kein Beweis für die Wirksamkeit der Therapie, die zudem nicht ohne Risiken ist.

Die multiple Sklerose ist bekanntlich eine Autoimmunerkrankung, bei der Zellen des Immunsystems die Myelinscheiden im zentralen Nervensystem angreifen und zerstören. Der Therapieansatz, den Richard Burt von der Feinberg School of Medicine in Chicago verfolgt, strebt danach, das aggressive Immunsystem gegen ein anderes auszutauschen, das die Antigene auf den Myelinscheiden toleriert.

Er bedient sich dabei der aus der Krebstherapie bekannten autologen non-myeloablativen hämatopoetischen Stammzelltherapie. Dabei wird das Knochenmark durch eine Chemotherapie weitgehend zerstört und dann durch die zuvor entnommenen Stammzellen wieder neu aufgebaut. Dieser Ansatz ist nicht neu, wurde bisher jedoch nur bei Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung durchgeführt – mit unbefriedigenden Ergebnissen. 

Für die aktuelle Studie wählte Burt Patienten aus, deren Erkrankung weniger weit fortgeschritten war. Es handelte sich um 21 Patienten im Alter von 20 bis 53 Jahren mit schubförmig remittierender Verlaufsform (RRMS), bei denen der Beginn der Erkrankung im Durchschnitt erst 5 Jahre zurücklag.

Die Erkrankung hatte nicht auf eine mindestens sechsmonatige Behandlung mit Interferon beta angesprochen. Außerdem hatten die Patienten in den vorangegangenen 12 Monaten zwei mit Steroiden behandelte Rezidive erlitten oder es war zu neuen Läsionen in der Kernspintomografie gekommen. Dieser Verlauf ließ eine weitere Verschlechterung erwarten, soweit Vorhersagen bei der RRMS überhaupt möglich sind. 

Die Therapien wurden zwischen Januar 2003 und Februar 2005 durchgeführt. Zunächst wurden periphere Stammzellen durch eine Therapie mit Cyclophosphamid und Filgrastim mobilisiert. Die non-myeloablative Konditionierung wurde mit Cyclophosphamid, Alemtuzumab und Antithymozytenglobulin durchgeführt. 

In den folgenden 24 bis 48 Monaten hat sich der Zustand der Patienten stabilisiert. Zwar erlitten 5 der 21 Patienten zwischenzeitig einen neuen Schub, von dem sie sich allerdings vollständig erholten.

Bei 17 der 21 Patienten kam es sogar zu einer Verbesserung um wenigstens einen Punkt in der Kurtzke-Skala (Expanded Disability Status Score, EDSS). Die Studie hatte allerdings keine Vergleichsgruppe, sodass – trotz der vielversprechenden Ergebnisse – offen bleibt, ob die Stammzelltherapie wirksam ist. 

Primäres Ziel der  Phase-I/II-Studie war die Sicherheit der Therapie, die keineswegs ungefährlich ist. Nach der Chemotherapie sind die Patienten über etwa 2 Wochen ohne funktionierendes Immunsystem.

Ein Patient infizierte sich mit Clostridium difficile und entwickelte eine Diarrhoe, bei zwei Patienten kam es zu einem Herpes zoster. Bei zwei der 17 Patienten, bei denen Alemtuzumab eingesetzt worden war, kam es zu einer immun-thrombozytopenischen Purpura.

Alle Patienten erholten sich von den Komplikationen. Dennoch dürfte der immuntherapeutische Ansatz für MS-Patienten erst dann infrage kommen, wenn die Wirksamkeit auch durch eine randomisierte klinische Studie bestätigt ist. Eine derartige Studie hat nach Auskunft von Burt bereits begonnen.

Der Editorialist Gianluigi Mancardi von der Universität Genua (Lancet Neurology doi: 10.1016/S1474-4422(09)70018-3) hält die Toxizität der Therapie zwar für vertretbar, bezweifelt allerdings angesichts der fünf Patienten mit erneuten Schübe, dass die Therapie auf lange Sicht erfolgreich sein wird. © rme/aerzteblatt.de

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