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Ausland

Staatspräsident mahnt nach Drama um Wachkomapatientin zur Besinnung

Mittwoch, 11. Februar 2009

Rom – Nach dem Tod der Wachkoma-Patientin Eluana Englaro hat Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano zu Besinnung und Einheit aufgerufen. Der Moment des Schmerzes und der nationalen Verstörung solle einer „sensiblen und bewussten Reflexion“ Raum geben, sagte das Staatsoberhaupt laut Tageszeitung „Corriere della Sera“ vom Mittwoch.

Der Streit um den Abbruch der künstlichen Ernährung der Patientin hatte zu einer Belastungsprobe zwischen den staatlichen Instanzen geführt. 

Englaro war am Montagabend in einem Pflegeheim im norditalienischen Udine gestorben. Ihre Versorgung mit Nahrung und Wasser war von Freitag an schrittweise eingestellt worden. Eine Autopsie ergab, dass die 38-Jährige einem Herz-Kreislauf-Versagen aufgrund von Flüssigkeitsmangel erlag.

Der Leichnam der Frau, die seit 1992 im Koma lag, soll laut Medienberichten eingeäschert und in ihrem Heimatort Paluzza beigesetzt werden. Zuvor sei eine religiöse Feier im engsten Familienkreis geplant. 

Englaro stand seit Wochen im Zentrum einer landesweiten Kontroverse um Sterbehilfe. Die Kirche lehnte eine Einstellung der künstlichen Ernährung ab. Ministerpräsident Silvio Berlusconi versuchte per Notverordnung, den Abbruch der künstlichen Ernährung zu stoppen.

Der italienische Senat beriet am Montagabend noch über einen entsprechenden Gesetzentwurf der Regierung, als die Botschaft vom Tod Englaros einen Tumult auslöste. Nach einer Schweigeminute brachen Wortgefechte und Handgreiflichkeiten aus. 

Auch nach dem Tod der Patientin geht die Debatte weiter. Justizminister Angelino Alfano kritisierte erneut den juristischen Gang im Fall Englaro. Die Patientin sei „aufgrund eines Richterspruchs“ gestorben, sagte er am Dienstagabend im Fernsehen.

Zugleich betonte er, den Richtern keine Schuld zuweisen zu wollen; sie hätten auf der Grundlage des Rechts geurteilt. Nun brauche es einen Rechtsrahmen für Fragen des Lebensendes, damit Englaro die einzige Person bleibe, die „auf der Grundlage eines Urteils im Namen des italienischen Volkes an Hunger und Durst gestorben“ sei, so Alfano. © kna/aerzteblatt.de

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