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Medizin

Thromboseprophylaxe: Orale Antikoagulation bei Krebspatienten ohne Nutzen

Montag, 16. Februar 2009

Birmingham – Eine orale Antikoagulation kann das Risiko von katheterassoziierten oder anderen Thrombosen bei Patienten, die ihre Chemotherapie über einen zentralvenösen Katheter erhalten, offenbar nicht senken. Dies zeigt eine randomisierte klinische Studie im Lancet (2009; 373: 567-74). Ausgenommen ist eine angepasste Dosierung, die allerdings mit erhöhten Blutungsrisiken verbunden ist.

Thrombosen sind eine gefürchtete Komplikation der Chemotherapie. Ausgangspunkt sind nicht nur die invasiven Katheter. Auch das Krebsleiden selbst erhöht bei vielen Patienten das Thromboserisiko und bei postmortalen Untersuchungen findet man bei jedem zweiten Patienten Hinweise auf eine venöse Thromboembolie.
 

Dies hat in der Vergangenheit dazu geführt, dass Onkologen die Indikation für eine Thromboseprophylaxe mit Vitamin-K-Antagonisten relativ großzügig gestellt haben, wobei viele Ärzte eine feste Dosierung des Medikaments ohne Prüfung der INR bevorzugten. 

Die britische Medical Research Council und die Stiftung Cancer Research UK haben diese Praxis in einer größeren Studie in 68 Zentren überprüft. 1.590 Krebspatienten im Alter von mindestens 16 Jahren, die eine Chemotherapie über zentralvenöse Katheter infundiert bekamen, erhielten per Zufallsverfahren entweder kein Warfarin, täglich 1 mg Warfarin als feste Dosis oder täglich Warfarin in angepasster Dosierung, bei der eine Ziel-INR von 1,5 bis 2,0 angestrebt wurde.

Ergebnis: Die unkritische Gabe von 1 mg Warfarin hatte keinen Einfluss auf die Rate von katheterassoziierten Thrombosen. Sie lag mit 6 Prozent genauso hoch wie in der Vergleichsgruppe ohne Warfarin. Dagegen senkte Warfarin in der angepassten Dosierung die Rate der katheter-assoziierten Thrombosen signifikant von 7 auf 3 Prozent.

Hier war allerdings auch die Rate schwerer Blutungen am höchsten. Da in der Summe aus Nutzen (Vermeidung von Thrombosen) und Risiken (schwere Blutungen) auch für Warfarin in der angepassten Dosierung kein Vorteil erkennbar ist, spricht sich die Gruppe um Annie Young von der Universität Birmingham gegen eine generelle orale Antikoagulation bei Patienten aus, die ihre Chemotherapie über einen zentralvenösen Katheter erhalten.

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Dies schließt nach Ansicht des Editorialisten Paolo Prandoni von der Universität Padua (Lancet 2009; 373: 523-524) nicht aus, dass die Onkologen im Einzelfall sich doch für eine orale Antikoagulation entscheiden, wenn das Risiko der Patienten besonders hoch ist. Eine generelle Empfehlung lehnt Prandoni jedoch ebenfalls ab.

© rme/aerzteblatt.de

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