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Brasilien produziert erstes eigenes Aids-Medikament

Dienstag, 17. Februar 2009

Brasilia – Brasilien hat mit der Produktion eines eigenen Aids-Medikament begonnen. Die erste Lieferung des Präparats Efavirenz wurde am Montag dem staatlichen Gesundheitssystem übergeben, wie brasilianische Zeitungen am Dienstag berichteten.

Demnach plant das Ge­sund­heits­mi­nis­terium die Produktion von zwei weiteren Medikamenten. Efavirenz ist eines von 17 Medikamenten, die das Ge­sund­heits­mi­nis­terium kostenfrei an Aids-Patienten verteilt. 

Für die Herstellung von Efavirenz erteilte die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) der brasilianischen Regierung 2007 eine sogenannte Zwangslizenz. Sie erlaubt die Herstellung von Generika-Versionen aus patentierten Medikamenten, allerdings nur für die nicht gewerbliche Nutzung bei einem gesundheitlichen Notstand. 

Für den Fall einer Nichterteilung der Zwangslizenz hatte Brasilia mit einem Patentbruch gedroht. Efavirenz hat der Pharmakonzern Merck entwickelt, der auch das Patent für das Medikament hält.

Dieses Jahr soll den Berichten zufolge die Hälfte der benötigten 30 Millionen Einheiten von Efavirenz in heimischen Laboratorien hergestellt, der Rest aus Indien hinzugekauft werden. Ab 2010 soll der Bedarf komplett aus brasilianischen Labors stammen. 

Das Ge­sund­heits­mi­nis­terium plant laut Berichten zudem die Produktion der Arzneien Tenofovir und Atazanavir. Mit der Produktion des patentfreien Tenofovir soll noch in diesem Jahr begonnen werden. Dagegen hält der Pharmakonzern Bristol-Myers das Patent an Atazanavir, was die Herstellung einer Generika-Version erst einmal verzögern dürfte. 

In Brasilien waren 2007 nach Schätzungen der Vereinten Nationen 710.000 Menschen mit HIV infiziert, etwa 0,6 Prozent aller Erwachsenen zwischen 15 und 49 Jahren. Das staatliche Aids-Programm, das die kostenlose Behandlung der Krankheit garantiert, gilt als vorbildlich. © kna/aerzteblatt.de

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