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Medizin

Studie: Briefe motivieren zur Darmkrebs­früherkennung

Dienstag, 24. Februar 2009

Boston – Vor allem ältere Menschen lassen sich durch schriftliche Benachrichtigungen für eine Darm­krebs­früh­erken­nung motivieren. Eine elektronische Erinnerung durch den Praxiscomputer der Hausärzte erzielte in einer Studie in den Archives of Internal Medicine (2009; 169: 364-371) dagegen nur eine bescheidene Wirkung.

Obwohl ein Hämocculttest (FOBT), besser noch eine Sigmoidoskopie und im Idealfall eine Koloskopie viele Kolorektalkarzinome rechtzeitig entdecken kann, wird die Darm­krebs­früh­erken­nung nur von einer Minderheit der Bevölkerung angenommen. Bei vielen fehlt vielleicht nur der letzte Anstoß, vermutet Thomas Sequist vom Brigham and Women’s Hospital in Boston, der deshalb den Einfluss von zwei Benachrichtigungen in einer randomisierten kontrollierten Studie untersucht hat. 

21.860 Patienten der Harvard Vanguard Medical Associates, einem Gesundheitsanbieter in Massachusetts, wurden auf zwei Gruppen verteilt: Eine Hälfte erhielt eine schriftliche Erinnerung zur Darm­krebs­früh­erken­nung, die andere nicht. Die Briefe bestanden aus einem Anschreiben mit direkter Ansprache des Versicherten, einem Flugblatt zu den Optionen des Screenings, einem FOBT-Testset sowie einer Telefonnummer, unter der die Angeschriebenen weitere Informationen erhalten konnten.

Die Auswertung zeigt, dass sich die Patienten auf diese Weise durchaus motivieren lassen. Der Anteil der Patienten, die an einer Darm­krebs­früh­erken­nung teilnahmen, stieg von 38,1 auf 44 Prozent. Besonders erfolgreich war die „Werbemaßnahme“ bei den 70- bis 80-Jährigen. Hier stieg die Teilnahmerate von 37 auf 47 Prozent. Sequist spricht von einem Erfolg.

Auf den zweiten Blick muss man allerdings feststellen, dass die meisten Teilnehmer sich mit dem am wenigsten effektiven Test (FOBT) begnügten. Die Rate der endoskopischen Untersuchungen konnte kaum gesteigert werden, ebenso wenig die Zahl der entdeckten Adenome (5,7 vs. 5,2 Prozent) oder Karzinome (6 vs. 4,9 Prozent). Die Unterschiede waren hier statistisch nicht signifikant. 
 

Ebenfalls von geringer Wirkung waren elektronische Erinnerungen, die in die Praxissoftware der primär versorgenden Ärzte installiert wurden. Immer, wenn sie die Daten eines Patienten im Screening-Alter (50 plus) eingaben, ging ein Fenster auf, das sie an die für ihren Patienten doch unter Umständen lebensrettende Früherkennung hinwies.

Dies hatte insgesamt keine positiven Auswirkungen (Teilnahmerate 41,9 vs. 40,2 Prozent). Nur bei den Patienten mit drei der mehr Arztbesuchen, konnten die Ärzte einige Patienten zu einem Screening zu bewegen. Die Teilnahmerate am Screening stieg von 52,7 auf 59,5 Prozent.

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© rme/aerzteblatt.de

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