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Ärzteschaft

Palliativmediziner wirft Ärzten Inkompetenz vor

Dienstag, 3. März 2009

München – Viele sterbenskranke Patienten in Deutschland werden nach den Worten des Münchner Palliativmediziners Gian Domenico Borasio falsch behandelt. In einem Autorenbeitrag für die „Süddeutsche Zeitung“ vom Dienstag beklagt Borasio eine „dramatische Inkompetenz“ deutscher Ärzte.

90 Prozent der Medizinstudenten bekämen ihre ärztliche Zulassung ohne die geringste Ahnung von Palliativmedizin und Sterbebegleitung. Dabei müsste dies Pflichtstoff sein. Bisher hätten aber nur fünf Universitäten ein solches Pflichtfach eingeführt.

Die berechtigten Ängste vor ärztlichen Kunstfehlern seien paradoxerweise das primäre Motiv für die Abfassung von Patientenverfügungen, erläuterte der Mediziner. Die aktuelle Debatte über eine gesetzliche Regelung überlagere die eigentlichen Probleme der medizinischen Versorgung Sterbender. Sie wäre überflüssig, wenn die Ärzte richtig ausgebildet wären. Doch die Politik weigere sich standhaft, dies in die Wege zu leiten. 

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Borasio verwies auf verbreitete typische Behandlungsfehler. Aus Angst vor Ersticken oder Verdursten bekämen Sterbenskranke oft reflexartig Flüssigkeit und Sauerstoff zugeführt. Beide Maßnahmen seien nachweislich nicht nur nutzlos, sondern sogar schädlich. Das Durstgefühl Sterbender hänge mit der Trockenheit der Mundschleimhaut zusammen.

Diese werde durch Sauerstoffgaben noch verstärkt. Weil die Niere das erste Organ sei, das im Sterbeprozess seine Funktion einstelle, könne die zugeführte Flüssigkeit nicht ausgeschieden werden. Diese lagere sich dann vor allem in der Lunge ab, was zu Atemnot führe. 

Nachweislich wirkungslos sei auch eine Magensonde bei Patienten mit fortgeschrittener Demenz, die nicht mehr über den Mund Nahrung aufnehmen könnten. Obwohl damit weder eine Verbesserung der Lebensqualität, des Ernährungsstatus oder der Wundheilung erreicht werden könne, werde diese Maßnahme jedes Jahr mehr als 100.000 Mal in Deutschland praktiziert.

„Kurzum, es wird derzeit in Krankenhäusern und Pflegeheimen vieles in bester Absicht getan, was die Menschen ungewollt, aber aktiv am friedlichen Sterben hindert“, so Borasio.

© kna/aerzteblatt.de

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