NewsMedizinAntikörper wirksam bei „eosinophilem“ Asthma
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Antikörper wirksam bei „eosinophilem“ Asthma

Donnerstag, 5. März 2009

Hamilton/Leicester – Ein monoklonaler Antikörper, der die Zahl der eosinophilen Granulozyten senkt, reduzierte in zwei Pilotstudien im New England Journal of Medicine (NEJM) die Zahl der Exazerbationen bei Patienten mit steroidresistentem Asthma bronchiale, das durch eine Eosinophilie begleitet wurde.

Den 1879 von Paul Ehrlich entdeckten eosinophilen Granulozyten wurde lange Zeit eine Schlüsselrolle beim Asthma bronchiale zugeschrieben, findet man doch im Lungengewebe und auch im Sputum vieler Patienten diese „allergischen“ Entzündungszellen.

Das Konzept geriet allerdings vor einigen Jahren ins Wanken, als es in Studien nicht gelang, die Beschwerden durch monoklonale Antikörper gegen Interleukin 5 (Lancet 2000; 356: 2144-48 und Am J Respir Crit Care Med 2007;176: 1062-1071) oder Interleukin 12 (Lancet 2000; 356: 2149-53) zu lindern, die beide die Zahl der eosinophilen Granulozyten im Blut senken.

 

 

Jetzt könnte sich das Pendel wieder in die andere Richtung bewegen. Denn gleich zwei Studien kommen zu dem Ergebnis, dass der monoklonale Interleukin-5-Antikörper Mepolizumab sehr wohl die Beschwerden von Asthmapatienten lindert. 

Die Gruppe um Ian Pavord vom Institute for Lung Health an der Universität in Leicester behandelte 61 Patienten mit  eosinophilem Asthma, bei denen es trotz einer Steroidbehandlung wiederholt zu Exazerbationen der Erkrankung gekommen war. Sie erhielten entweder ein Placebo oder Mepolizumab, das über ein Jahr monatlich appliziert wurde. 

Ergebnis: Mepolizumab reduzierte nicht nur die Zahl der Eosinophilen im Blut und im Sputum. Auch die Zahl der Exazerbationen der Asthmaerkrankung wurde während der 50-wöchigen Therapie von 3,4 auf 2,0 nahezu halbiert. Es gab weniger Hospitalisierungen (3 vs. 11) und die Patienten waren schneller wieder zuhause (nach 12 statt 48 Tagen). Auch die Lebensqualität besserte sich (NEJM 2009; 360: 973-984).

Ähnlich positiv verlief eine kleinere Studie der McMaster Universität in Hamilton/Ontario. Parameswaran Nair und Mitarbeiter behandelten 9 Patienten mit monatlichen Infusionen von Mepolizumab. Auch diese Patienten litten an einem eosinophilen Asthma, das nicht ausreichend auf eine Steroidbehandlung ansprach. Während es bei 10 Teilnehmern des Placeboarms zu 12 Exazerbationen des Asthmas kam, blieben unter Mepolizumab bis auf einen alle Patienten davon verschont (NEJM 2009; 360: 985-993).

Angesichts der geringen Teilnehmerzahl wäre es zu früh von einem neuen Behandlungsansatz zu sprechen. Interessant sind die unterschiedlichen Einschätzungen zur Zahl der Patienten, für die die Therapie infrage käme. Pavord nannte gegenüber den britischen Medien von einer halben Million Menschen, die in Großbritannien an einem schweren Asthma leiden.

Die kanadischen Autoren schätzen, dass etwa 60.000 bis 120.000 Kanadier von der Behandlung profitieren könnten, während die  Editorialistin Sally Wenzel von der Universität Pittsburgh darauf hinweist, dass in der kanadischen Studie hunderte von Patienten gescreent worden seien, um die 20 Teilnehmer der Studie zu finden (NEJM 2009; 360: 1026-1028).

Sollten sich die Ergebnisse in größeren Studien reproduzieren lassen, könnte dies möglicherweise zu einer Aufteilung der Asthmaerkrankungen in zwei Gruppen führen und zwar in jene, die eine Eosinophilie haben (nach Einschätzung der Editorialistin sind dies eher ältere Patienten, bei denen die Erkrankung erst im Erwachsenenalter beginnt und ASS-assoziiert ist) und in jene, bei denen die Erkrankung Folge einer atopischen Veranlagung ist. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige

© EB/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER