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Medizin

Schlaganfall: Eine Frau mit drei Armen

Freitag, 27. März 2009

Genf – Nach Schlaganfällen nehmen Patienten gelegentlich außer der gelähmten noch eine weitere Extremität auf der gleichen Seite war. Dass die Berichte dieser überzähligen Phantomgliedmaßen (supernumerary phantom limb, SPL) glaubwürdig sind, belegt eine Studie in den Annals of Neurology (2009; doi: 10.1002/ana.21647).

Die 64 Jahre alte Frau war nach einem Schlaganfall linksseitig gelähmt. Wenige Tage nach dem Insult nahm sie auf der linken Seite plötzlich einen zusätzlichen Arm wahr, den sie als blass, milchig-weiß und durchsichtig beschrieb, berichten Asaid Khateb und Mitarbeiter der Universität Genf.

Die Frau behauptete nicht nur, dass sie den Arm bewegen und ihren Kopf oder die Schulter damit berühren könne, nein, sie würde sich auch manchmal mit den Fingern der eingebildeten Hand am Kopf kratzen und dadurch den Juckreiz lindern.

Andere Ärzte hätten die Frau wohl für verrückt erklärt. Khateb nahm ihre Berichte ernst und untersuchte die Frau im Kernspintomografen. Mittels der funktionellen Magnetresonanzbildgebung, welche die Aktivität bestimmter Hirnzentren anhand des erhöhten Sauerstoffverbrauchs nachweist, konnte er zeigen, dass die Frau tatsächlich erlebte, was sie schilderte. 

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Zunächst wurde die rechte nicht gelähmte Hand untersucht. Wie erwartet kam es zu Aktivierungen im linken motorischen Cortex, wenn die Frau bestimmte Bewegungen mit der rechten Hand durchführte. Wenn die Forscher die Frau baten, die linke gelähmte Hand zu bewegen, wurde der rechte motorische Cortex aktiviert.

Dass sie die linke Hand nicht wirklich bewegte, weil diese gelähmt war, spielt dabei keine Rolle, da die Aktivität im Cortex die Absicht anzeigt, nicht die tatschlich absolvierte Bewegung. Schließlich baten die Forscher die Frau die Phantomhand zu bewegen. Wieder wurde der motorische Cortex aktiviert, was zeigt, dass sie tatsächlich einen Versuch unternahm.

Darüber hinaus kam es in okzipitalen Regionen zu einer Aktivierung, was anzeigt, dass sie die Bewegung der nicht vorhandenen Hand auch tatsächlich sah. Mehr noch: Als sie gebeten wurde, sich mit der Phantomhand an der linken Wange zu kratzen, kam es zu einer Aktivierung in Hirnregionen, die auch bei einer echten Berührung aktiviert worden wären. Diese Ergebnisse zeigen, dass die Illusion der Phantomhand für die Patientin perfekt war. © rme/aerzteblatt.de

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