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Medizin

Interessenkonflikte: US-Fachverbände sollen auf Sponsorengelder verzichten

Mittwoch, 1. April 2009

New York City – Die Interessenkonflikte ärztlicher Fachgesellschaften geraten in den USA zunehmend unter Kritik. In einem Beitrag zum US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2009; 301: 1367-1372) fordert eine Gruppe von namhaften US-Medizinern, dem Sponsoring durch die Hersteller von Arzneimitteln und Medizinprodukten enge Grenzen zu setzen. 

Zu den Unterzeichnern des Positionspapiers gehören neben David Rothman, dem Präsidenten des Institute of Medicine, der Kardiologe Steven Nissen (bekannt durch die Affären um die Vioxx® und Avandia®), die JAMA-Chefredakteurin Catherine DeAngelis und James Scully, dem Geschäftsführer der American Psychiatric Association, die in den letzten Monaten wegen ihrer Interessenkonflikte in die Schlagzeilen geraten war und die in der letzten Woche ein weitgehendes „phasing out“ des Industriesponsering ihrer Jahreskongresse versprochen hat.

Das jetzt vorgestellte Positionspapier geht wesentlich weiter. Zu den zehn Empfehlungen gehört ein völliges Verbot von Interessenkonflikten für die Leiter der Fachgesellschaften, die nach den Vorstellungen der Unterzeichner ab dem Zeitpunkt ihrer Nominierung keine Gelder von der Industrie erhalten sollten.

Die Fachgesellschaften selbst sollten unter keinen Umständen Gelder für die Erstellung von Leitlinien annehmen, heißt es. Verboten werden sollte auch eine Unterstützung von Produkten durch die Fachgesellschaften, etwa durch die Platzierung des Logos auf Kampagnen der Hersteller, da dies das Ansehen der Fachgesellschaft „beflecken“ könne.

Die Durchführung von Fachkonferenzen, deren Inhalt oder die Auswahl der Sprecher sollen nach dem Willen der Autoren in Zukunft nicht durch Firmen mitbestimmt werden. Tagungsleiter sollten Interessenkonflikte offen deklarieren. Nach den Vorstellungen der Autoren sollten Firmenlogos oder andere Hinweise von den Tragetaschen, Abstractbänden und anderen offiziellen Kongressunterlagen verschwinden.

Die Industrieausstellung sollte stärker als bisher von den Fortbildungsveranstaltungen getrennt werden. Einschränkungen soll es auch bei der Förderung von Forschungsprojekten geben, die nicht mehr an einzelne Firmen oder Produkte gebunden sein dürfen.

Stattdessen sollten die Sponsorengelder einem Fonds der Fachgesellschaft zugeführt werden, die dann bestimmen soll, für welche Zwecke die Gelder verwendet werden. Das gleiche gelte für die finanzielle Unterstützung zu Fortbildungsveranstaltungen. © rme/aerzteblatt.de

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