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Medizin

Hypersexualität und Spielsucht unter Dopaminagonisten

Donnerstag, 9. April 2009

Rochester – Parkinsonpatienten, die mit Dopaminagonisten behandelt werden, neigen gelegentlich zu „destruktiven“ Verhaltensweisen: Hypersexualität oder Spielsucht könnten nach einer Studie in den Mayo Clinic Proceedings (2009; 84: 310-3169) häufiger sein als bisher angenommen.

Dopaminagonisten ersetzen nicht nur die Wirkung eines krankheitsbedingt fehlenden Neurotransmitters in den Basalganglien. Sie wirken auch auf ein im limbischen System des Großhirns verankertes Belohnungssystem, dessen gesteigerte Stimulation unerwartete Folgen für den Patienten und seine Mitmenschen haben kann.

Bald nach der Einführung einiger Medikamente Ende der 1990er-Jahre kam es in Fachzeitschriften zu Berichten über Verhaltensweisen, die auf eine verminderte Impulskontrolle hinwiesen. Zu lesen war von Patienten, die innerhalb kurzer Zeit ihr Vermögen im Kasino durchbrachten oder durch eine (trotz ihres hohen Alters) gesteigerte Libido ihre Lebenspartner entfremdeten (um es vorsichtig zu formulieren). Die Fachinformationen weisen heute auf diese Impulskontrollstörungen und zwanghaften Verhaltensweisen hin, erwecken aber den Eindruck, dass es sich um bedauernswerte Einzelfälle handelt. 

Michael Bostwick, ein Psychiater der Mayo Clinic in Rochester, und Mitarbeiter haben jetzt die Krankenakten von 267 Patienten ausgewertet, die wegen eines Morbus Parkinson in Behandlung waren. Bei  7 Patienten fanden sie Hinweise auf eine neu aufgetretene Spielsucht oder eine Hypersexualität. Alle 7 Patienten gehörten zu einer Gruppe von 38 Patienten, denen die Ärzte einen Dopaminagonisten in einer therapeutischen Dosierung verordnet hatten (≥2 mg/die Pramipexol oder 6 mg/die Ropinirol).

Dies ergibt eine Häufigkeit von 18,4 Prozent, und Bostwick ist überzeugt, dass dies eher eine Unterschätzung ist, da aufgrund des Studiendesigns nicht alle Fälle erkannt würden. Leicht vorstellbar ist jedenfalls, dass sich nicht alle Patienten (oder Angehörige) sich wegen dieser Probleme an ihren Arzt wenden.

Bei 5 der 7 Patienten nahm das Verhalten klar psychopathologische Züge an, berichtet Bostwick. Zwei befanden sich deshalb in psychiatrischer Behandlung, weil ein Zusammenhang mit der Medikation nicht erkannt worden war. Nach einem Absetzen der Medikamente kam es regelmäßig zu einer Besserung.

Auch eine Dosisreduktion könnte erfolgreich sein, denn keiner von 28 Patienten, denen Dopaminagonisten in subtherapeutischer Dosierung verschrieben worden war, zeigte Auffälligkeiten. Patienten, aber auch die Lebenspartner, sollten schon zu Beginn der Verordnung von Dopaminagonisten auf mögliche Änderungen im Verhalten der Patienten hingewiesen werden, raten die Autoren. © rme/aerzteblatt.de

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