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Medizin

Cochrane: Homöopathie gegen Krebsnebenwirkungen

Mittwoch, 15. April 2009

London – Eine systematische Übersicht der Cochrane Collaboration bescheinigt zwei homöopathischen Pflegemitteln eine gewisse Wirkung bei der Linderung von Nebenwirkungen der Chemo- und Radiotherapie bei Krebserkrankungen. Ein renommierter Experte bezweifelt die Evidenz.

Für ihre systematische Analyse hat Sosie Kassab vom Royal London Homeopathic Hospital in London die Literatur nach klinischen Studien durchsucht, die den Einsatz von homöopatischen Medikamenten zur komplementärmedizinischen Behandlung von Krebskranken zum Gegenstand hatten.

Sie fand acht kontrollierte Studien (sieben gegen Placebo eine gegen einen anderen Wirkstoff) mit 664 Teilnehmern: Drei Studien beschäftigten sich mit den Nebenwirkungen der Radiotherapie, drei mit dem Nebenwirkungen der Chemotherapie und zwei mit der Behandlung von menopausalen Symptomen nach der Therapie des Mammakarzinoms. 

Nur zwei höher qualifizierte Studien (niedriges Bias-Risiko) hatten ein positives Ergebis: In einer Studie an 254 Patienten kam heraus, dass ein calendulahaltiges Externum einer Dermatitis nach Radiotherapie besser vorbeugt als eine Hautsalbe mit Trolamin (Triethanolamin: ein Bestandteil von Seifen und Kosmetika).

Der Experte Edzard Ernst von der Peninsula Medical School in Plymouth bezweifelte gegenüber der BBC jedoch, dass es sich bei dem Hautpflegemittel überhaupt um ein homöopathisches Mittel handelt. Das Extrakt in der Creme sei gar nicht verdünnt gewesen, was den Grundsätzen der Homöopathie widerspricht, die eine Verdünnungsreihe der Wirkstoffe verlangen. Kassab hat eine andere Vermutung. Ihrer Ansicht nach könnte die Wirkung auch durch Unterschiede in den Hilfsmitteln der beiden Cremes entstanden sein.
 

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In der zweiten Studie mit 32 Teilnehmern war Traumeel S (eine Kombination aus 14 homöopathischen Mitteln) als Mundlösung eingesetzt worden, um Patienten nach Chemotherapie vor einer Stomatitis zu schützen. Sie soll einer Placebolösung überlegen gewesen sein. Auch hier zweifelt Ernst die Evidenz auf der Basis einer kleinen Studie ohne eine Bestätigung durch eine andere Forschergruppe an. Kassab fordert ebenfalls eine erneute Prüfung.

Zwei weitere Studien kamen ebenfalls zu positiven Ergebnissen, die Qualität der Untersuchungen war jedoch nach Ansicht von Kassab wegen eines unklaren Bias-Risikos nicht ausreichend für eine Empfehlung. Die anderen vier Studien waren negativ: kein Hinweis auf eine Wirkung. 

Alle Studien kamen zu dem Ergebnis, dass die Mittel gut vertragen werden und keine Nebenwirkungen haben, was allen Experten, die eine Wirkung homöopathischer Mittel mangels nachweisbarer Wirkstoffe für ausgeschlossen halten, nicht gerade überraschen dürfte.

© rme/aerzteblatt.de

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