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Ärzteschaft

Ärztemangel trotz steigender Arztzahlen – kein Paradoxon

Dienstag, 21. April 2009

Berlin – Die Rahmenbedingungen ärztlicher Berufsausübung müssen nach Ansicht der Bundes­ärzte­kammer endlich wieder attraktiver gestaltet werden. Denn momentan sind freie Arztsitze und unbesetzte Stellen in den Krankenhäusern ebenso Realität wie steigende Arztzahlen.

„Das ist kein Widerspruch, sondern eine natürliche Folge gesellschaftlicher Veränderungen und einer unzureichenden politischen Antwort darauf“, betonte Frank Ulrich Montgomery, Vizepräsident der Bundes­ärzte­kammer, bei der Vorstellung der Ärztestatistik 2008. Politiker und Krankenklassen sollten nicht gebetsmühlenartig alle Defizite als „reine Verteilungsprobleme“ der Ärzteschaft kleinreden, sondern ihrer politischen Verantwortung gerecht werden.

Konkret fordert die Ärzteschaft mehr Stellen in den Krankenhäusern sowie eine bessere Bezahlung, ein Abbau von Überstunden, Angebote für Kinderbetreuung, eine bessere Anerkennung und Vergütung der Arbeit der niedergelassenen Ärzte und eine Würdigung der Leistung der Selbstverwaltung.

Die gesetzlichen Krankenkassen wiesen die Forderung nach mehr Geld umgehend zurück. "Wir haben die historisch höchste Honorarsteigerung für die niedergelassenen Ärzte und gleichzeitig eine ebenso historische Rezession", erklärte der Sprecher des GKV-Spitzenverbandes, Florian Lanz, in Berlin. Die Forderungen der Bundes­ärzte­kammer nach mehr Geld seien "absurd". Es gebe in Deutschland insgesamt nicht zu wenige Ärzte, sondern sie seien teilweise schlecht verteilt. Es sei Aufgabe der Institutionen der Ärzteschaft, die flächendeckende Versorgung der Patienten sicherzustellen.

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Die Zahl der berufstätigen Ärztinnen und Ärzte stieg 2008 um 1,5 Prozent auf etwa 320 000. Dabei zeichnen sich folgende Trends ab: Nach wie vor ist die Abwanderung ins Ausland sehr hoch; gleichzeitig jedoch auch die Zuwanderung ausländischer Ärzte nach Deutschland. Ein weiterer Trend ist die Feminisierung des Arztberufs: Mittlerweile stellen die Frauen einen Anteil von 58 Prozent bei den Erstmeldungen bei den Lan­des­ärz­te­kam­mern. Unter den insgesamt berufstätigen Ärztinnen und Ärzten waren 2008 41,5 Frauen.

Als Ursachen für den vermeintlichen Widerspruch zwischen den steigenden Arztzahlen und dem Ärztemangel nannte der Leiter der gemeinsamen Statistikabteilung von Bundes­ärzte­kammer und Kassenärztlicher Bundesvereinigung, Thomas Kopetsch, den medizinischen Fortschritt, der zu neuen Diagnose- und Therapiemöglichkeiten führt und den demografischen Wandel.

Weitere Faktoren sind die zunehmende Feminisierung der ärztlichen Profession, die zwischen 2000 und 2007 bei Anstieg der Arztzahlen um 6,9 Prozent zu 1,6 Prozent weniger Arbeitsangebot führte, sowie der allgemeine Trend zur Arbeitszeitverkürzung. © ER/aerzteblatt.de

Kommentare

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Avatar #87250
adonis
am Dienstag, 21. April 2009, 17:24

Kurzzeitgedächtnis intakt, Langzeitgedächtnis defekt

So könnte ich das Syndrom der deutschen Ärztekammer beschreiben. Hat man in den 80ziger und 90ziger Jahren Wind gesäht, indem man es jungen Kollegen vergällt hat Arzt zu werden ( in Gedenken an unseren "Ehren"Präsidenten" Vilmar, der uns für seine Prof. h.c. Würde verkauft hat und an die wunderbaren Taten des Marburger Bundes für den AiP, den Ausverkauf der Kassenärzte und ûberführung in Vertragsärzte durch Herrn Schorre) ernten man nun den Sturm. Ein Klub der Alten Herren!! Und nun will dieser Klub alles ändern: Ich lache mich wirklich scheckig über so viel Dummheit und Unverfrohrenheit. Die Ärztekammer hat die Popularität der Katholischen Kírche, die nun auch ihren Nachwuchs aus Polen rekrutieren muss. Gewisse Paralellen sind unverkennbar.
Und ich wage zu bezweifeln, dass der Sinneswandel durch die Erkenntnis geschah, etwas für den Nachwuchs nachhaltiges zu tun. Es geschieht, dass man weiter fest auf seinem hochdotierten Verwaltungspöstchen kleben bleibt. Ich bezweifle, dass die jungen Kollegen, den Unsinn weiter mitmachen und der Zug ins Ausland wird anhalten.
Noch geiler finde ich allerdings den Ausdruck der "Feminisierung". Das hört sich ja fast an wie eine Geschlechtsumwandlung oder eine neue Geschlechtskrankheit. Wohlgemerkt ich möchte hier nicht den Verfasser des Deutschen Ärzteblattes kritisieren. Ich habe sehr wohl bemerkt, dass sich das Ärzteblatt versucht journalistisch neutral und informativ zu verhalten. Diese Ausdrücke stammen ja aus der Propagandaabteilung der Bundesärztekammer.
Man mag es mir nicht verdenken, aber meine Medizinergeneration ist von der sogenannten Ständeorganisation mehr als betrogen worden. Wenn es nun die jüngeren nicht mehr akzeptieren, ist das ein Fortschritt.
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