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Medizin

Bariatrische Operationen verschlanken extrem Adipöse

Dienstag, 21. April 2009

Lausanne – Patienten mit einer extremen Adipositas verlieren nach einer Bypass-Operation deutlich an Gewicht, erreichen einer Studie in den Archives of Surgery (2009; 144: 312-318) zufolge aber selten ihr Normalgewicht. 

Übergewicht beginnt ab einem Body-Mass-Index von 25, die Adipositas bei 30, Menschen mit einem BMI von 40 gelten als morbide adipös (MO), es gibt mittlerweile aber auch Menschen mit einem BMI über 50, die von bariatrischen Chirurgen als „super-adipös“ (SO) bezeichnet werden.
Dass Diäten hier noch zu einer wesentlichen Reduktion des Körpergewichts führen, ist äußerst unwahrscheinlich. Für die meisten Patienten stellt sich, sofern sie die Gesundheitsisiken der MO oder SO anerkennen, die Frage, ob sie sich einem bariatrischen Eingriff unterziehen, der in der Regel in einem Magenbypass besteht.

An der Universität Lausanne erhalten die Patienten einen Roux-en-Y-Bypass, bei dem der Magen in zwei Teile getrennt wird. Durch den kleineren Teil wird der Speisebrei direkt in eine hochgezogene Dünndarmschlinge („alimentärer Schenkel“) geleitet. Der Restmagen ist das blinde Ende des anderen, „biliopankreatischen Schenkels“, der Galle und Pankreassekrete in die gemeinsame Endstrecke leitet. Deren Länge bestimmt das Ausmaß der Absorption und zusammen mit der Magenverkleinerung die Auswirkung auf das Körpergewicht.
 

Die Operation kann heute minimalinvasiv durchgeführt werden. Bei den 133 Patienten mit SO, darunter 24 mit Super-SO (BMI ≥60), über die Michel Suter von der Universität Lausanne und Mitarbeiter berichten, kam es in den ersten sechs Monaten nach der Operation zu einem Rückgang des BMI um maximal 19,4 Einheiten, bei den Patienten mit Super-SO sogar um bis zu 25,1.

In den Folgejahren nahmen die Patienten wieder leicht zu, konnten ihr Körpergewicht aber insgesamt halten. Die Patienten hatten dank der Operation ein Drittel der Körpermasse und etwa die Hälfte der Fettmasse verloren. Dennoch sind sie weiter adipös: Nur die Hälfte erreichte in der prospektiven Serie einen BMI von unter 35. 

In einer zweiten Gruppe von 492 Patienten mit MO verloren die Patienten ebenfalls ein Drittel ihres Gewichts. Hier hatten am Ende 90 Prozent einen BMI unter 35. Obwohl die Patienten mit SO am Ende demnach deutlich mehr wogen als die Patienten mit MO, waren die Auswirkungen auf die medizinischen Endpunkte in beiden Gruppen vergleichbar.

Bei mehr als drei Viertel der Patienten besserten sich Bluthochdruck, Schlafapnoe-Syndrom, gastroösophagealer Reflux, Rückenschmerzen, Gelenkbeschwerden und auch die Lebensqualität. Der „Bariatric Analysis and Reporting Outcome“ oder BAROS-Score, der die Komorbidität, Lebensqualität und die Komplikationen zusammenfasst, zeigte am Ende keine Unterschiede zwischen beiden Gruppen. Die Studie zeigt demnach, dass das Erreichen eines Normal-BMI nicht notwendigerweise das Ziel der bariatrischen Operation bei Patienten mit SO sein muss, folgern die Autoren.

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© rme/aerzteblatt.de

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