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Anästhesisten wollen Diskussion über Rationierung in der Intensivmedizin

Dienstag, 21. April 2009

Leipzig – Eine offene Diskussion über die Beschränkung intensivmedizinischer Leistungen fordert der Vorsitzende des Deutschen Anästhesiekongresses (DAC), Joachim Boldt, im Vorfeld der diesjährigen DAC-Tagung in Leipzig. Schon heute rationieren Umfragen zufolge rund zwei Drittel der Intensivstationen ihre Leistungen. Dies erfolge jedoch oft versteckt und ohne klare Richtlinien.

Obwohl neue Geräte und Medikamente die intensivmedizinische Versorgung in den letzten Jahren zwar deutlich verbessert haben, fehlt laut einer Umfrage an 1.000 Intensivstationen vielerorts das Geld für aufwendige Therapien. „Dann stellt sich die Frage, wo man anfängt, medizinische Leistungen einzuschränken“, so Boldt. Feste Regeln, wann eine Therapie begrenzt oder abgebrochen werden soll, gebe es bis dato jedoch nur selten. So haben 88 Prozent der befragten Kliniken keine Altersgrenze für den Einsatz sehr teurer Medikamente. Für 83 Prozent ist ein unheilbares Krebsleiden prinzipiell kein Grund, eine kostenintensive Dialysebehandlung abzulehnen.

Vor diesem Hintergrund fordert Boldt, die Beschränkung medizinischer Leistungen offen zu diskutieren: „Kein Gesundheitswesen funktioniert ohne Rationierung. Auch eine effektive Intensivmedizin wird ohne die Begrenzung von Therapiemaßnahmen künftig nicht mehr möglich sein. Das Thema zum Tabu zu erklären, hilft keinem.“

Boldt warnt in diesem Zusammenhang vor einer versteckten Rationierung. Hierbei halten Kliniken beispielsweise die Zahl der Betten auf Intensivstationen niedrig, um Kosten zu sparen. In der Umfrage gaben immerhin 35 Prozent an, dass sie gelegentlich oder häufig Patienten wegen fehlender freier Betten ablehnen müssten. Boldt: „Es darf nicht sein, dass Krankenwagen mit einem Schwerverletzten von Klinik zu Klinik fahren, weil keine Intensivstation ein Bett frei hat.“ Ohne feste Regeln zur Rationierung würde dann ausgerechnet den Patienten die Hilfe versagt, die sie am dringendsten brauchen. © hil/aerzteblatt.de

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