NewsMedizinDialyse-Shunt aus der Retorte besteht klinischen Test
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Dialyse-Shunt aus der Retorte besteht klinischen Test

Freitag, 24. April 2009

Novato – Im Labor gezüchtete Blutgefäße könnten schon bald zur klinischen Realität werden. Im Lancet (2009; 373: 1440-1446) berichten Mediziner über eine erste Anwendung an Dialysepatienten. Die arteriovenösen Shunts konnten bis zu 20 Monate benutzt werden.

Die US-Firma Cytograft Tissue Engineering aus Novato in Kalifornien gehört zu den Pionieren der regenerativen Medizin, das heißt, dem Versuch menschliche Gewebe, in diesem Fall Blutgefäße im Labor zu züchten. Dazu werden den Patienten Biopsien aus der Dermis der Haut entnommen.

Die Forscher vermehren die Fibroblasten auf Schablonen, die später wieder entfernt werden. Das Ergebnis ist ein Monolayer aus autologen Fibroblasten, der ein festes Bindegewebe bildet, aus denen den Wissenschaftler dann kleine Röhrchen formen. Sie enthalten nur körpereigenes Protein, das zusätzlich noch von zellulären Elementen befreit wird.

Es gibt deshalb keinen Anlass für eine Abstoßungsreaktion durch das Immunsystem, und nach einer Implantation ist auch keine Antikoagulation erforderlich, da sich auf der Innenseite eine Schicht mit Endothelien bildet. 

An zwei Kliniken in Kattowitz/Polen und Buenos Aires/Argentinien wurden seit 2004 neun Dialysepatienten mit arteriovenösen Shunts aus gewebegezüchteten Blutgefäßen versorgt. Bei drei Patienten konnte der Shunt nicht zur Dialyse benutzt werden, da es in den ersten drei Monaten der Beobachtungszeit zu einer Thrombose, einer Dilatation oder einem Aneursyma kam, wie Todd McAllister von Cytograft und Mitarbeiter mitteilen. Ein weiterer Patient verstarb aus Gründen, die nicht mit der Implantation in Verbindung standen. 

Bei den anderen fünf Patienten wurde der Shunt zwischen 6 und 20 Monaten für die Dialyse benutzt. Nur in einem Fall sei eine chirurgische Intervention notwendig gewesen, um den Shunt zu erhalten, schreiben die Autoren. Die Ergebnisse erfüllen laut McAllister in etwa die Anforderungen der US-National Kidney Foundation, die in der „Dialysis Outcomes Quality Initiative“ für Risikopatienten eine Offenheitsrate von 76 Prozent nach 3 Monaten verlangt.

Die Editorialisten Vladimir Mironov von der Universität in Charleston/South Carolina und Vladimir Kasyanov von der Universität Riga bezweifeln nicht, dass bei Bypass-Patienten ein Bedarf an Shunts aus regenerativen Blutgefäßen besteht (Lancet 2009; 373: 1402-1404), da es bei vielen Patienten schwierig ist, geeignete Venen für einen Shunt zu finden.

Sie befürchten aber, dass die Technologie für die klinische Anwendung zu teuer ist (die Produktionszeit beträgt 6 bis 9 Monate). Außerdem bleiben Zweifel über die Haltbarkeit der Zuchtarterien bestehen, da sie weniger elastische Bindegewebe enthalten als die natürlichen Gefäße.

Ob diese Einwände berechtigt sind, werden weitere klinische Studien zeigen. Derzeit lässt der Hersteller an der Universität Cambridge in England übrigens in einer weiteren klinischen Studie untersuchen, ob die regenerativen Blutgefäße auch als aortokoronarer Bypass geeignet sind. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

11. Oktober 2017
Boston – US-Forschern ist es gelungen, ein zellfreies Dünndarmsegment neu mit Stammzellen zu besiedeln. Nach einer Transplantation war das im Bioreaktor kreierte Transplantat in der Lage,
Dünndarm aus dem Bioreaktor kann Nahrung resorbieren
4. Oktober 2017
München – Der Markt für regenerative Medizin wird im kommenden Jahrzehnt rapide wachsen. Laut einer Studie der Unternehmensberatung Roland Berger wird der weltweite Umsatz in diesem Bereich bis 2025
Regenerative Medizin gefährdet Pharmaindustrie
28. August 2014
Basel – Knorpeldefekte in den Gelenken lassen sich möglicherweise durch Transplantate reparieren, die im Labor aus Chondrozyten der Nasenscheidewand gezüchtet werden. Die in Science Translational
Nose2Knee: Zellen aus der Nase sollen Gelenkknorpel reparieren
11. April 2014
Mexico City/Basel – Die erfolgreiche Vermehrung von Gewebe im Labor, Tissue Engineering genannt, erweitert zunehmend die Möglichkeiten der rekonstruktiven Chirurgie. US-Chirurgen berichten über den
Tissue engineering: Vagina und Nasenflügel aus der Retorte
13. Januar 2014
Frankfurt – Das Land Hessen wird das Loewe-Zentrum für Zell- und Gentherapie (CGT) nach einer positiven Begutachtung für weitere drei Jahre fördern. Das interdisziplinäre Zentrum forscht mit seinen
Frankfurt als Zentrum der regenerativen Medizin wird weiter gefördert
15. April 2013
Niere mit neuen Zellen im Bioreaktor /Ott Lab Boston – Nachdem ihnen Ähnliches in den letzten Jahren bereits bei Herz und Lungen gelungen war, haben US-Forscher jetzt auch Nieren in einem Bioreaktor
Niere aus dem Bioreaktor: Erste Transplantation an Ratten
14. März 2013
Mainz – Ein „Deutsch-Chinesische Zentrum für bio-inspirierte Materialien/Joint Center“ hat Anfang März an der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität (JGU) in Mainz seine Arbeit
NEWSLETTER