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Medizin

Neurodermitis: Haushaltsbleiche lindert Ekzeme

Montag, 27. April 2009

Chicago – Regelmäßige Vollbäder mit einem in geringer Dosis zugesetzten Bleichmittel haben in einer randomisierten Pilotstudie in Pediatrics (2009; 123; e808-e814) bei Kindern mit atopischer Dermatitis (Neurodermitis) die Ekzeme gelindert. Zum Behandlungskonzept gehört auch eine intranasale Behandlung mit Mupirocin.

Die Haut von Patienten mit atopischer Dermatitis ist häufig mit Staphylococcus aureus besiedelt, welche die Ekzeme verschlimmern können. Bei Anzeichen einer solchen bakteriellen Superinfektion (Pusteln, Krusten und Nässen) plädieren viele Dermatologen für eine vorübergehende antibiotische Therapie, was nicht unproblematisch ist, da dadurch die Kolonisierung mit resistenten Keimen begünstigt wird.

Es hat in der Vergangenheit nicht an Ideen gefehlt, die Besiedlung der Haut ohne Antibiotika durch den Einsatz von Antiseptika zu reduzieren. Dies war langfristig nicht erfolgreich, weil die Patienten die Therapie kosmetisch nicht akzeptierten (Gentianaviolett) oder Hautirritationen (Chlorhexidin) auftraten.

Amy Pall vom Children's Memorial Hospital in Chicago und Mitarbeiter haben jetzt möglicherweise eine Alternative gefunden, die von den Patienten akzeptiert wird und wirksam ist: Natriumhypochlorit. Es handelt sich um ein in vielen Haushaltsreinigern enthaltenes Bleichmittel, das auch zum Desinfizieren beispielsweise in Schwimmbädern verwendet wird.

Da es gegen Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus (MRSA) wirksam ist, wird es zunehmend auch in Kliniken als Desinfektionsmittel eingesetzt. Eine Exposition der Haut mit Natriumhypochlorit ist, vorausgesetzt die Dosis ist nicht zu hoch, unbedenklich.

Die Dermatologen untersuchten in der Studie, ob Vollbäder mit einem Zusatz von Natriumhypochlorit die Ergebnisse einer antibakteriellen Therapie von superinfizierten Ekzemen verbessern können. Bei den 31 Patienten mit mittelschweren bis schweren Ekzemen (Befall: 33 Prozent der Körperoberfläche) war eine orale Antibiotikatherapie mit Cephalexin über zwei Wochen vorgesehen.

Zusätzlich verordneten die Dermatologen zur Eradikation eines möglichen Reservoirs resistenter Erreger in den Nasenflügeln eine Nasensalbe, welche die Patienten an jeweils fünf aufeinander folgenden Tagen in jedem Monat anwenden sollten. Die Nasensalbe enthielt entweder das Antibiotikum Mupirocin oder Vaseline.

Zusätzlich zur Mupirocinbehandlung erhielten die Patienten den Auftrag in den nächsten drei Monaten zweimal wöchentlich ein Vollbad zu nehmen, dem sie einen halben Becher 6-prozentiges Natriumhypochlorit zusetzen sollten. In der Vergleichsgruppe badeten die Patienten ohne Bleichmittel.

Die Bäder wurden gut von den Patienten angenommen, berichtet Pall. Die geringe Konzentration des Bleichmittels sei erstaunlich geruchlos und kein Patient habe sich nach dem Bad über einen penetranten Badeanstaltgeruch beschwert. Schon bei der ersten Zwischenuntersuchung nach einem Monat stellte die Dermatologin eine deutliche Verbesserung sowohl im Schweregrad (Eczema Area and Severity Index) als auch in der Ausdehnung der Ekzeme fest.

Interessanterweise waren Kopf und Hals, also jene Regionen, die nicht mit dem Bleichmittel in Kontakt kamen, von der Verbesserung ausgenommen. Die Dermatologen empfehlen den Kindern jetzt, den Kopf beim Vollbad kurz unterzutauchen. Wegen der außerordentlich günstigen Effekte haben die Autoren die Studie nach 22 Patienten vorzeitig abgebrochen.

Eine endgültige Beurteilung dürfte dennoch die Durchführung einer weiteren multizentrischen Studie erfordern, auch um langfristige Erfahrungen zur Sicherheit und Verträglichkeit mit dem Bleichmittel zu gewinnen. © rme/aerzteblatt.de

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