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Bessere medizinische Versorgung von Flüchtlingen gefordert

Montag, 18. Mai 2009

Würzburg – Die scheidende Generalsekretärin von amnesty international, Barbara Lochbihler, kritisiert die europäische Flüchtlingspolitik. Die EU betreibe eine Politik der Abschottung, aber die Migranten kämen trotzdem, sagte sie am Wochenende bei einer Fachtagung über Migrantenmedizin in Würzburg. Es sei klar, dass viele soziale Dienste ohne Migranten gar nicht aufrechterhalten werden könnten. Die Politik stehe vor der großen Herausforderung, Migration zum Nutzen aller zu steuern.

Der Vorsitzende des Missionsärztlichen Instituts in Würzburg (MI), August Stich, forderte die Abschaffung des Asylbewerberleistungsgesetzes. Durch Abschreckung lasse sich das weltweite Migrationsproblem nicht lösen. In Deutschland müsse vor allem die medizinische Versorgung von Flüchtlingen verbessert werden. Stich kritisierte, dass das Gesetz eine medizinische Behandlung nur bei lebensbedrohlichen Erkrankungen oder Schmerzen vorsehe. 

Mitarbeiter der Missionsärztlichen Klinik, die in Würzburg seit Jahren Flüchtlinge in der Gemeinschaftsunterkunft behandeln, sagten, Isolation und jahrelange Ungewissheit machten diese an Körper und Seele krank. Die Behandlung der schwer kranken Menschen müsse oft „mit gebundenen Händen“ erfolgen. 

Der Arzt und Psychiater Hans Wolfgang Gierlichs forderte seine Kollegen auf, Flüchtlinge vor einer Abschiebung nicht länger nur auf Flugtauglichkeit zu untersuchen. Eine solche Zusammenarbeit mit den Behörden, die nach genau solchen Medizinern suchten, sei fragwürdig.

Gerade bei traumatisierten Flüchtlingen könne eine Abschiebung die Krankheit verschlimmern und zu Panikreaktionen bis hin zum Suizid führen. Gierlichs äußerte sich als Vertreter der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs/Ärzte in sozialer Verantwortung (IPPNW). 

Nach dem Protest der Ärzteschaft sei es zumindest in einigen Bundesländern gelungen, die Verantwortlichen zu sensibilisieren, lobte Gierlichs. So würden seit einigen Jahren in Berlin, Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen speziell fortgebildete Ärzte und Psychologen stärker in die Untersuchungen von Flüchtlingen vor einer Abschiebung eingebunden. © kna/aerzteblatt.de

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