Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Ersatzkassen: Rahmenvertrag zur „Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung“ steht

Dienstag, 26. Mai 2009

Berlin – „Die Ersatzkassen wollen ihren Versicherten eine medizinisch-pflegerische Betreuung zu Hause im Kreise ihrer Angehörigen ermöglichen. Deshalb haben wir einen Mustervertrag zur Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung (SAPV) entwickelt."

Darauf  hat heute Thomas Ballast, Vorstandsvorsitzender des Verbandes der Ersatzkassen (vdek), in Berlin hingewiesen. Der Mustervertrag werde bereits in Hessen und Nordrhein-Westfalen umgesetzt. In weiteren Bundesländern wie Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt, Bayern, Niedersachsen und Saarland laufen nach Ballasts Angaben derzeit Verhandlungen.

Mit dem Mustervertrag setzen die Ersatzkassen eine gesetzliche Regelung um. Als Teil des GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetzes 2007 wurde die Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung als neue Versorgungsform für schwerstkranke sterbende Menschen gesetzlich verankert. Etwa 10 Prozent aller Sterbenden benötigen nach den Erfahrungen von Fachleuten eine besonders aufwändige hochspezialisierte Versorgung, um bis zu ihrem Lebensende in ihrem häuslichen Umfeld bleiben zu können. Meist sind dies Menschen mit einer bösartigen Tumorerkrankung.

Kerngedanke dieser speziellen Versorgungsform ist eine interdisziplinäre Versorgung durch ein multiprofessionelles, so genanntes Palliativ-Care-Team. Es besteht in der Regel aus speziell weitergebildeten Ärzten und Pflegekräften  wie Palliativärzten, Palliativpflegediensten und Physiotherapeuten. Sinnvoll ist nach Ansicht des vdek auch die Zusammenarbeit mit einer spezialisierten Apotheke sowie Sanitätshäusern.

Die jeweilige Versorgung richtet sich nach dem Bedarf der Versicherten und reicht von der Beratung des Versicherten und seinen Angehörigen bis hin zur medizinischen und pflegerischen Vollversorgung. Die Palliativ-Care-Teams, mit denen die Ersatzkassen einen Versorgungsvertrag abschließen, müssen ein schlüssiges Versorgungskonzept vorlegen, das zum Beispiel auch den 24-Stunden-Rufbereitschaftsdienst an sieben Wochentagen beinhaltet.

SAVP sei der Versuch, eine vergleichbare Kompetenz wie auf Palliativstationen oder in Hospizen im ambulanten Bereich zu schaffen, betonte Thomas Schindler, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin. Damit Schwerstkranke zu Hause sterben könnten, brauche man „Kollegen, die besonders qualifiziert und erfahren sind“. Sonst fehle Patienten wie Angehörigen die Sicherheit, diese Situation meistern zu können.

Nach Darstellung von Ballast und Schindler gibt es mehrere Gründe, warum sich die Umsetzung dieses neuen ambulanten Angebots derart verzögert. Der vdek-Chef verwies darauf, dass die Krankenkassen zunächst Richtlinien erarbeiten und dann über deren Umsetzung verhandeln mussten.

An sich wünschenswerten gemeinsamen und einheitlichen Verträgen der Krankenkassen in den Bundesländern steht demnach entgegen, dass es unterschiedliche Vorstellungen über die SAPV-Teams gibt. Außerdem sind die Krankenkassen im Rahmen von Modellvorhaben und Integrationsverträgen schon vor 2007 unterschiedliche Wege gegangen und wollen nun teilweise dabei bleiben.

Schindler wies darauf hin, dass es auch in der Ärzteschaft Debatten um die Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung gegeben habe. „Die Arztdominanz ist aufgehoben worden. Die Kassenärztlichen Vereinigungen spielen nicht die Rolle, die sie sonst spielen“, sagte Schindler. „Das ist eine kleine Revolution, die hier stattfindet.“ Seiner Meinung nach ist entscheidend für ein Gelingen der neuartigen Versorgung, „dass man die Teamidee mit Leben füllt“.

Bislang arbeiteten Ärzte, Pflegende und andere Berufsgruppen im ambulanten Bereich eher nebeneinander her. Um die Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung erfolgreich umzusetzen, müssten sich Teams aber regelmäßig treffen und besprechen. „Ein bisschen SAPV nebenher“ wird seiner Ansicht nach weder Ärzten noch Pflegenden gelingen. © Rie/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

16.10.17
Empfehlungen zum Umgang mit implantierbaren Kardiovertern und Defibrillatoren am Lebensende
Berlin – Patienten mit Herzrhythmusstörungen können von implantierbaren Kardiovertern/Defibrillatoren (ICDs) profitieren. Die Geräte bieten die Chance auf zusätzliche Lebensjahre und mehr......
13.10.17
Stiftung verlangt bessere Sterbebegleitung
Berlin – Deutschland braucht nach Ansicht der Deutschen Stiftung Patientenschutz dringend mehr professionelle und mobile Teams für die Sterbebegleitung. Bisher gebe es kein Konzept, „jedem Sterbenden......
10.10.17
Sterbebegleitung: Großes Netzwerk in Nordrhein-Westfalen
Düsseldorf – In den vergangenen 25 Jahren ist in Nordrhein-Westfalen (NRW) ein nahezu flächendeckendes Netz von Hospiz- und Palliativeinrichtungen für schwerstkranke und sterbende Menschen entstanden.......
22.09.17
G-BA beschließt längere Verordnung für Palliativpatienten
Berlin – Die Mitglieder des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses (G-BA) haben die häusliche Krankenpflege für Palliativpatienten erweitert. Künftig sollen die Verordnungen nicht nur „bis zu 14 Tagen“ möglich......
22.09.17
Wenig Evidenz für die Wirksamkeit von Cannabinoiden in der Schmerz- und Palliativmedizin
Köln – Nach den Qualitätskriterien einer evidenzbasierten Medizin gibt es nur eine sehr eingeschränkte Evidenz für die Wirksamkeit von Cannabinoiden in der Schmerz- und Palliativmedizin. Es besteht......
15.09.17
Palliativmediziner fordern mehr Forschung zur Versorgung am Lebensende
Berlin – Mehr interdisziplinäre Forschung zur Versorgung von Patienten am Lebensende fordert die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP). „Wir müssen gemeinsam interdisziplinär forschen, um......
12.09.17
Krankenhaus erfüllt ungewöhnlichen Herzenswunsch
Fürth – Immer wieder versuchen Palliativstationen und Krankenhäuser sterbenden Patienten einen letzten Wunsch zu erfüllen. Im Krankenhaus hat eine Betroffene nun Besuch von ihrem früheren Pflegepferd......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige