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Medizin

Zunehmend Komplikationen unter Metamizol

Mittwoch, 3. Juni 2009

Bonn – Die steigenden Verordnungszahlen des Schmerzmittels Metamizol haben zu einer Zunahme von schweren Komplikationen geführt. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) mahnt deshalb die Beachtung der Indikationen an.

Metamizol ist ein gleichermaßen potentes wie umstrittenes Schmerzmittel. Das Pyrazolon-Derivat ist immunogen und nach einer wiederholten Therapie kann es zu einer Agranulozytose kommen, welche einen tödlichen Ausgang nehmen kann. Eine andere Folge der Immunreaktion ist eine hypotensive Reaktion, die ebenfalls tödlich enden kann.

Aufgrund des Agranulozytose-Risikos wurde Metamizol seit den 70er-Jahren in vielen Ländern vom Markt genommen, darunter Schweden (hier folgte 1999 ein zweites Verbot nach einer zwischenzeitlichen Wiederzulassung), die USA, Japan, Australien und Teile der EU.

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Auch in Deutschland gibt es Beschränkungen der Indikation. Metamizol ist ausschließlich zur Behandlung von starken Schmerzen zugelassen. Hierzu gehören akute Schmerzen nach Verletzungen oder Operationen, Schmerzen bei Koliken und Tumorschmerzen sowie sonstige Schmerzen, falls andere analgetische Maßnahmen nicht geeignet sind.

Außerdem ist Metamizol zugelassen zur Behandlung von hohem Fieber, das auf andere Maßnahmen nicht anspricht. Nicht angewendet werden darf Metamizol bei leichten oder mittelstarken Schmerzen oder zur Therapie von Fieber, wenn nicht vorher andere Antipyretika angewendet wurden und keine ausreichende Wirksamkeit gezeigt haben.

Diese „Kontraindikationen“ scheinen immer häufiger nicht beachtet zu werden. Die Verordnungszahlen sind in den letzten zehn Jahren jedenfalls stetig gestiegen (von 27 Mio. DDD in 1998 auf 86 Mio. DDD in 2007). Im gleichen Maße nahm jedoch auch die Anzahl der Meldungen über zum Teil schwerwiegende unerwünschte Arzneimittelwirkungen zu, heißt es in einem Warnhinweis des BfARM, der allerdings keine Zahlen nennt.

Die Ärzte werden jedoch ermahnt die Indikationsstellungen zu beachten und Vorsichtsmaßnahmen zu treffen. Dazu gehört, das Medikament nur kurzfristig anzuwenden, da das Risiko einer Agranulozytose steigt, falls Metamizol länger als eine Woche angewendet wird.

Das BfArM weist darauf hin, dass Metamizol bei vorbestehenden Störungen des blutbildenden Systems nicht angewendet werden darf. Das Blutbild einschließlich Differenzialblutbild solle während der Behandlung regelmäßig kontrolliert werden. Der behandelnde Arzt habe auf Zeichen einer Agranulozytose zu achten und auch den Patienten über das Risiko und mögliche Symptome aufzuklären. Mögliche Zeichen sind: Verschlechterung des Allgemeinbefindens, Fieber und Entzündungen im Bereich der Schleimhäute.

Bei jedem Verdacht auf das Vorliegen einer Agranulozytose muss die Behandlung mit Metamizol sofort abgebrochen werden, geeignete Überwachungs- und Therapiemaßnahmen sind zu treffen. Hypotone Reaktionen treten bevorzugt bei parenteraler Gabe auf. Sie ist deshalb nur zugelassen, wenn eine orale oder rektale Gabe nicht möglich ist.

Die parenterale Gabe muss, wie das BfArM weiter schreibt, unter ärztlicher Überwachung beim liegenden Patienten erfolgen. Die intravenöse Applikation müsse langsam durchgeführt werden (maximal 500 mg pro Minute). Eine Verabreichung als Kurzinfusion oder Dauerinfusion sei zu bevorzugen. © rme/aerzteblatt.de

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