Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Multiple Sklerose: Stillen beugt Schüben vor

Dienstag, 9. Juni 2009

Stanford – Während sich eine Schwangerschaft günstig auf den Verlauf einer multiplen Sklerose auswirkt, kommt es in der postpartalen Phase häufig zu einem Erkrankungsschub. Eine Studie in den Archives of Neurology (2009; 66:­ doi:10.1001/archneurol.2009.13) deutet darauf hin, dass das Stillen des Kindes hier eine vorbeugende Wirkung haben könnte.

Während der Schwangerschaft müssen MS-Patientinnen die immunmodulierenden Medikamente absetzen, die das Fortschreiten der Erkrankung abschwächen sollen. Dies stellt für die meisten Patientinnen keinen Nachteil dar, da Schübe während der Schwangerschaft ohnehin selten sind.

Nach der Geburt stehen die Patientinnen dann aber der Alternative, ihr Kind zu stillen oder die medikamentöse Therapie wieder aufzunehmen, denn die Wirkstoffe sind auch in der Stillphase kontraindiziert. Die meisten Patientinnen entscheiden sich für die Medikamente und gegen das Stillen.

In der Untersuchung, die Annette Langer-Gould von der Stanford University School of Medicine durchführte, unternahmen zwei von drei Frauen einen Stillversuch. Von den Frauen, die ihr Kind stillten, setzten drei von zehn bereits in den ersten zwei Monaten begleitend Babynahrung ein. 

Die Frauen, die nicht oder nicht ausschließlich stillten, begannen im Durchschnitt 1,2 Monate nach der Geburt mit der medikamentösen Therapie. Dennoch erlitten sie im ersten postpartalen Jahr mehr als 5-fach häufiger einen Krankheitsschub als Frauen, die sich für das ausschließliche Stillen entschieden hatten und dies auch ohne Babynahrung über mindestens zwei Monate durchhielten (Hazard Ratio HR 5,0; 1,7-14,2). Zudem hatten sie im Durchschnitt erst 8,5 Monate nach der Geburt wieder mit der Einnahme von Medikamenten begonnen.

Voraussetzung für diese präventive Wirkung war allerdings, dass das Stillen mit einer Amenorrhoe einherging. Setzten die Menstruationen bereits in den ersten vier Monaten nach der Geburt ein, war das Schubrisiko fast vierfach erhöht (HR 3,9; 2,3-12,0). 

Trotz der signifikanten Ergebnisse ist die Studie nicht beweisend. Die Autorin kann nicht sicher ausschließen, dass ein schwerer Krankheitsverlauf die Frauen dazu bewog, sich gegen das Stillen zu entscheiden. Auch die geringe Teilnehmerzahl ist sicherlich ein Schwachpunkt der Studie. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

20. April 2018
Erlangen-Nürnberg – Die Fähigkeit von Nervenzellen, über ihre Fortsätze Signale weiterzugeben, hängt bekanntlich wesentlich von Myelinscheiden ab, welche diese Fortsätze umgeben. Schädigungen dieser
Wie Proteine die Bildung der Myelinscheiden regulieren
17. April 2018
Amarillo/Texas – Wenn Schwangere Cannabis rauchen, sei es zum Vergnügen oder aus medizinischer Indikation, dann gelangt der psychoaktive Wirkstoff THC auch in die Muttermilch, wie eine
Cannabis erreicht die Muttermilch
26. März 2018
Basel – Die Behandlung mit Siponimod, einem noch nicht zugelassenen selektiven S1P-Modulator, hat in einer Phase-3-Studie als erster Wirkstoff überhaupt das Fortschreiten einer sekundär progredienten
Siponimod verlangsamt Progression bei sekundär progredienter Multipler Sklerose
9. März 2018
Mainz – Einen möglichen neuen Therapie-Ansatz für die Behandlung von Patienten mit Multipler Sklerose (MS) haben Wissenschaftler der Universitätsmedizin Mainz entdeckt. Beteiligt waren außerdem
Neuer möglicher Therapieansatz für Multiple Sklerose
4. März 2018
London – Die Hersteller Biogen und AbbVie haben das Medikament Zinbryta, das im Jahr 2016 zur Behandlung der schubförmigen Multiplen Sklerose (MS) zugelassen wurde, wegen Sicherheitsbedenken weltweit
Enzephalitis: Weltweite Rücknahme von MS-Medikament Zinbryta
22. Februar 2018
New York – Eine Transgender-Frau, die als Mann geboren wurde, hat erfolgreich das Kind ihrer Lebenspartnerin gestillt. Nach dem Bericht ihrer behandelnden Ärzte in Transgender Health (2018; doi:
Transgender-Frau stillt Baby ihrer Lebenspartnerin
14. Februar 2018
Berlin – Eine Behandlung mittels transkranieller Magnetstimulation (TMS) könnte die Symptome eines chronischen Erschöpfungszustandes bei Patienten mit Multipler Sklerose (MS) reduzieren. Das berichten

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige