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Medizin

ADHS: FDA untersucht plötzliche Todesfälle unter Ritalin

Dienstag, 16. Juni 2009

Washington/New York City – Die amerikanische Zulassungsbehörde FDA geht der Frage nach, ob Psychostimulanzien, die zur Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsyndrom (AHDS) eingesetzt werden, das Risiko auf einen plötzlichen Herztod erhöhen. Anlass sind die Ergebnisse einer Fall­kontroll­studie im American Journal of Psychiatry (2009; doi: 10.1176/appi.ajp.2009.09040472), die nach Einschätzung der Behörde allerdings zahlreiche Einschränkungen aufweist.

Im Auftrag der FDA und des US-National Institute of Mental Health hat Madelyn Gould von der Columbia Universität in New York City die Krankenakten von 564 Kindern ausgewertet, die in den Jahren 1985 bis 1996 an einem plötzlichen Herztod gestorben waren.

Die Eltern wurden angeschrieben und in einem Fragebogen unter anderem auch nach der Einnahme von Methylphenidat (Ritalin® oder anderen Präparate) gefragt. Außerdem wurde in den Krankenakten nach Hinweisen auf diese Therapie gesucht.

Insgesamt zehn Kinder waren exponiert. In einer gleich großen Kontrollgruppe von Kindern, die bei Verkehrsunfällen ums Leben kamen, waren nur zwei Kinder mit Methylphenidat exponiert. Dies ergibt eine signifikante Assoziation mit einer Odds Ratio von 7,4 bei einem allerdings sehr weiten 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,4 bis 74,9.

Die FDA weist in einer ersten Stellungnahme auf die zahlreichen Grenzen der Studie hin: Als die Daten erhoben wurden (1997 bis 2008) lag die Exposition bereits viele Jahre zurück und die Erinnerung an die Medikamente, die ihr Kind erhalten hatte, dürfte bei vielen Eltern nicht mehr so zuverlässig sein. Man darf außerdem vermuten, dass Eltern, deren Kind auf unerklärliche Weise ums Leben kamen, sich wegen denkbarer Zusammenhänge eher an eine Ritalin-Therapie erinnern wird, als in der Kontrollgruppe, in der die Todesursache klar war (Recall Bias).

Hinzu kommt, dass ärztliche Untersuchungen nach einem unerklärlichen Todesfall (gerade bei einem Kind) sehr viel umfangreicher sind, während nach einem Verkehrsunfall die Akten schnell geschlossen werden. Auch dies würde eine (nur) häufiger dokumentierte Exposition erklären. Weitere Unsicherheiten ergeben sich aus der damals noch extrem seltenen Verordnung des Medikaments, erklärt die FDA.

Dennoch bleibt die Tatsache, dass zu einer Zeit, als Methylphenidat noch nicht so häufig wie heute eingesetzt wurde, eines von zehn Kindern mit plötzlichem Herztod exponiert war. Die FDA sieht weiteren Klärungsbedarf.

Die Pressemitteilung erwähnt eine größere Studie, die den Einfluss von Methylphenidat (und natürlich auch der anderen Psychostimulanzien, die zurzeit der jetzt publizierten Studie noch nicht im Einsatz waren) auf akute Herzereignisse, Schlaganfälle und andere kardiovaskuläre Endpunkte untersucht. Da die Psychostimulanzien eine nachweisbare Wirkung auf das Herz haben – Methylphenidat erhöht Herzfrequenz und Blutdruck leicht – können potenzielle Risiken nicht von vornherein ausgeschlossen werden. 

Das absolute Risiko eines plötzlichen Herztodes dürfte aber auf jeden Fall gering sein, da es sich im Kindesalter um ein extrem seltenes Ereignis handelt. Die FDA sieht deshalb derzeit keinen Grund sein, die Indikation einzuschränken. Eltern wird geraten, die Medikamente keinesfalls eigenmächtig bei ihren Kindern absetzen.

Die Ärzte erinnerte die FDA allerdings daran, dass die Verordnung von Methylphenidat bestimmte Vorsichtsmaßnahme erfordert und an gewisse Auflagen gebunden ist, zu denen der Ausschluss kardiovaskulärer Erkrankungen zählt. © rme/aerzteblatt.de

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