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Medizin

Nierensteine nach Adipositaschirurgie

Donnerstag, 18. Juni 2009

Baltimore – Der Roux-Y-Magenbypass, die derzeit bevorzugte Operation bei morbider Adipositas, begünstigt die Bildung von Nierensteinen. Dies geht aus einer Fall­kontroll­studie im Journal of Urology (209; 181: 2573-2577) hervor.

In den USA sollen mittlerweile 200.000 bariatrische Operationen pro Jahr durchgeführt werden, und der Roux-Y-Magenbypass ist nach Auskunft von Brian Matlaga von der Johns Hopkins Universität in Baltimore mittlerweile der häufigste Eingriff.

Die Chirurgen teilen dabei den Magen in zwei Abschnitte auf. Der kleinere Teil bleibt mit der Speiseröhre verbunden. Die Nahrung wird von ihm direkt in eine hochgezogene distale Jejunum-Schlinge weitergeleitet. Der andere, größere Teil des Magens bildet zusammen mit dem Duodenum das Ende einer blinden Schlinge, durch welche Galle und Pankreassekrete in den distalen Dünndarm geleitet werden.

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Der Roux-Y-Magenbypass führt aufgrund der Magenverkleinerung zu einer frühen Sättigung. Gleichzeitig wird die Darmstrecke verkleinert, aus der die Nahrungsbestandteile resorbiert werden können. Die Fettverdauung wird um mehr als die Hälfte reduziert. 

Die langfristigen Nebenwirkungen dieser kontrollierten Malabsorption sind derzeit nicht genau bekannt, da die Operation auch in den USA erst seit wenigen Jahren bei einer größeren Patientenzahl durchgeführt wird. Kürzlich berichteten Mediziner der Mayo-Clinic, Rochester, auf der Jahrestagung der US-Endocrine Society, dass Patienten nach Roux-Y-Magenbypass ein fast vierfach erhöhtes Knochenbruchrisiko haben. Jetzt kommen Brian Matlaga und Mitarbeiter zu dem Ergebnis, dass auch das Risiko von Nierensteinen erhöht ist.

Die Forscher identifizierten anhand der Versicherungsdaten 4.639 Patienten, bei denen zwischen 2002 und 2006 ein Roux-Y-Magenbypass angelegt wurde. Sie wurden einer gleich großen Gruppe von Versicherten gleichen Alters und Geschlecht gegenübergestellt, die ebenfalls einen deutlich erhöhten Body-Mass-Index hatten, bei denen aber keine bariatrische Operation durchgeführt worden war.

Es stellte sich heraus, dass 7,65 Prozent der Patienten mit Roux-Y-Magenbypass nach dem Eingriff an einer Urolithiasis erkrankten, während es in der Kontrollgruppe nur 4,63 Prozent waren. Dies ergibt eine Odds Ratio von 1,71; bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,44-2,04 war dies eine signifikante Assoziation. Noch deutlicher war der Einfluss auf die Zahl der invasiven Therapien (Lithotripsie oder Katheter). Hier errechnet Matlaga eine Odds Ratio von 3,65 (2,60-5,14). 

Ursache des Nierensteinrisikos ist eine gesteigerte Resorption von Oxalsäure, einem Bestandteil der Kalziumoxalat-Konkremente, dem häufigsten Nierenstein. Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass die Ausscheidung von Oxalsäure nach der Operation ansteigt und eine kritische Sättigung des Urins mit Kalziumoxalat erreicht wird (J Am Coll Surg 2008; 206: 1145-53).

Eine frühere Studie der Mayo-Clinic hatte, allerdings an einer sehr viel kleineren Fallzahl bereits ein erhöhtes Nierensteinrisiko angezeigt (Kidney Int. 2007; 72: 100-7). Die gleiche Frage ist auch Gegenstand einer laufenden Studie des Indiana Kidney Stone Instituts (NCT00169793). 

Das Nierensteinrisiko spricht laut Matlaga nicht prinzipiell gegen eine bariatrische Operation. Eine Prävention sollte durch die Substitution mit Kalzium möglich sein. Sie ist auch wegen des erhöhten Knochenbruchrisikos angezeigt. Warum dies nicht geschieht oder ob die Wirkung ausbleibt, ist unklar. © rme/aerzteblatt.de

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