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Politik

AOK hält an Ärztebewertung fest

Freitag, 19. Juni 2009

Berlin – Ungeachtet massiver Kritik aus der Ärzteschaft will die AOK-Bundesverband an ihrem Vorhaben eines sogenannten Ärzte-TÜVs festhalten. Er könne sich die Reaktionen der Ärzteverbände „so nicht erklären“, sagte der stellvertretende Bundes­vorsitzende der AOK, Jürgen Graalmann, am Donnerstag­abend in der ZDF-Sendung „Maybrit Illner“. „Wir bekommen jenseits der Verbände von einzelnen Ärzten durchaus großen Zuspruch“, fügte er hinzu.

Das ab 2010 geplante Internet-Portal, in dem Patienten ihre Ärzte bewerten können, solle „seriös, zuverlässig und aussagekräftig“ sein, versicherte Graalmann. „Wir wollen keinem vorschreiben, zu welchem Arzt er geht. Das soll nur eine Orientierungshilfe sein.“ Die Eingabe von Freitexten, die etwa Verunglimpfungen enthalten könnten, werde nicht möglich sein, betonte er.

Graalmann räumte zugleich ein, dass der „Ärzte-Navigator“ der AOK auch einen Vorteil im Wettbewerb mit anderen Krankenkassen verschaffen solle. „Wir glauben, dass wir mit solchen Portalen unseren Versicherten einen Mehrwert geben können.“

Die Bundes­ärzte­kammer (BÄK) lehnt das Vorhaben weiter strikt ab. Patienten könnten lediglich „Soft-Qualitäten“ wie die Verständlichkeit des Arztes oder seine Praxisorganisation bewerten, sagte der BÄK-Vizepräsident Frank-Ulrich Montgomery.

Rückendeckung bekommt das Projekt von der gesundheitspolitischen Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Elke Ferner. Die Patienten bräuchten „eine Wegweisung“ und dürften in ihrem Urteilsvermögen nicht unterschätzt werden, sagte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende. Wenn einzelne Ärzte dem gebotenen Vertrauensverhältnis zum Patienten nicht gerecht würden, solle man den Patienten die Möglichkeit geben, dies öffentlich zu machen.

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Die baden-württembergische AOK sprach sich unterdessen gegen den Ärzte-TÜV aus. „Das wollen wir nicht, und damit haben wir nichts tun“, sagte Christian Kratzke, Geschäftsführer der AOK-Bezirksdirektion Nordschwarzwald-Pforzheim, gegenüber dem "Schwarzwälder Boten".

Diese Auffassung teilten alle Ortskrankenkassen in Baden-Württemberg. Kratzke sieht durch das geplante AOK-Projekt die Vertragsverhältnisse zwischen der AOK und den Ärzten vor Ort gefährdet. Das Verhältnis zwischen der Kasse und den Medizinern sei „besser als je zuvor“. Die AOK wolle die Zusammenarbeit weiter intensivieren.

Kratze sagte, er sei von dem Vorschlag des stellvertretenden AOK-Bundesvorsitzenden Jürgen Graalmann, ein solches Portal einzurichten, überrascht worden. Dies sei mit dem Landesverband Baden-Württemberg nicht abgestimmt gewesen. Derzeit werde im Verband daran gearbeitet, dass dieses Portal nicht kommt.  

Wie Kratzke erläuterte, nehme der Bundesverband seit Einführung der Gesundheitsreform zum 1. Januar 2009 die Funktion einer klassischen Dachorganisation nicht mehr wahr. Dies sei auch bei anderen Krankenkassen der Fall. Die AOK habe ihren Bundesverband als Dienstleister der rechtlich selbstständigen Ortskrankenkassen erhalten.  © ddp/EB/aerzteblatt.de

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