szmtag Arzneimittel­forschung: Neurosteroide als Anxiolytikum
NewsMedizinArzneimittel­forschung: Neurosteroide als Anxiolytikum
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Arzneimittel­forschung: Neurosteroide als Anxiolytikum

Freitag, 19. Juni 2009

München – Ein neuer Wirkstoff, der im Gehirn die Bildung von Steroiden anregt, hat in experimentellen Studien in Science (2009; doi:10.1126/Science.1175055) eine deutliche anxiolytische Wirkung ohne Sedierung und Abhängigkeitspotenzial erzielt.

Angststörungen werden heute in der Regel mit Antidepressiva aus der Gruppe der Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) behandelt, deren Wirkung allerdings erst nach Tagen oder Wochen eintritt. Akute Panikattacken lassen sich mit Benzodiazepinen stoppen, deren Anwendung aber nicht ohne Nebenwirkungen (Sedation) und Risiken (Abhängigkeitspotenzial bei häufiger Einnahme) ist.

Benzodiazepine verstärken die Wirkung des Neurotransmitters Gamma-Aminobuttersäure (GABA), indem sie modulierend auf eine seiner Rezeptoren einwirken. Der gleiche Effekt wird durch die experimentelle Substanz XBD173 erzielt, wenn auch auf andere indirekte Weise: XBD173 bindet in den Mitochondrien an einem Translokatorprotein-18. Dies hat eine vermehrte Synthese von sogenannten Neurosteroiden zur Folge, die dann in ähnlicher Weise wie Benzodiazepine auf die GABA-Rezeptoren einwirken. 

Die anxiolytische Wirkung von XBD173 hat die Gruppe um Prof. Rainer Rupprecht vom Max Planck Instituts für Psychiatrie in München an einer Gruppe von 70 gesunden Probanden untersucht. Diese wurden zunächst über sieben Tage mit XBD173 (in drei verschiedenen Dosierungen), dem Benzodiazepin Alprazolam oder Placebo behandelt. Dann wurde ihnen das Neuropeptidfragment CCK-4 injiziert, das für zwei bis fünf Minuten eine kurze Angst- und Panikattacke auslöst. Sie fiel bei den Patienten, die Alprazolam oder XBD173 in der höchsten Dosierung erhalten hatten, signifikant schwächer aus als unter Placebo, was auf eine anxiolytische Wirkung hinweist.
 

Anzeige

Bemerkenswert ist nun, dass XBD173 bei den Probanden keine Müdigkeit auslöste und diese danach nur selten über Entzugssymptome wie Schlafstörungen oder Unruhe klagten (7 Prozent vs. 57 Prozent nach Alprazolam). Dies könnte bedeuten, dass XBD173 besser verträglich und langfristig sicherer ist als Benzodiazepine, ohne dass die experimentellen Befunde die Ergebnisse klinischer Studien vorwegnehmen können. Die klinische Entwicklung zum Medikament durch den Hersteller Novartis dürfte jedenfalls noch einige Jahre in Anspruch nehmen.

© rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #87250
adonis
am Montag, 22. Juni 2009, 11:21

Da hoffen wir mal alle,

dass es ein Erfolg wird. Die derzeitige Behandlung von Angststörungen ist nach meiner Erfahrung schlicht weg unbefriedigend.
LNS
VG WortLNS
Anzeige

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER