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Medizin

Studie: Migräne mit Aura hinterlässt Spuren im Kleinhirn

Mittwoch, 24. Juni 2009

Bethesda­ – Frauen, die lange Jahre unter einer Migräne mit Aura leiden, haben im Alter häufiger kernspintomografische Läsionen im Kleinhirn. Dies zeigt eine bevölkerungsbasierte Kohortenstudie im Amerikanischen Ärzteblatt JAMA (2009; 301: 2563-2570).

Bisher gingen die meisten Experten davon aus, dass Migräne keine dauerhaften Schäden im Gehirn hinterlässt (auch wenn eine Reihe von epidemiologischen Studien auf ein erhöhtes Schlaganfall-Risiko der Patienten hinweisen). Diese Einschätzung wird jetzt durch die Age Gene/Environment Susceptibility-Reykjavik Study (AGES-RS) infrage gestellt.

Die Studie wurde in den 70er-Jahren begonnen, um die Ursachen für die hohe Rate von Herzinfarkten in Island zu erkunden. Inzwischen werden die Daten auch für andere Aspekte verwendet. Bei einer der letzten Untersuchungen wurde bei den 4.689 Teilnehmern eine kernspintomografische Untersuchung des Gehirns vorgenommen. Ann Scher vom Uniformed Services University in Bethesda/Maryland und Mitarbeiter setzten die Ergebnisse zu den Angaben der Teilnehmer zu Kopfschmerzen in Beziehung, die diese 25 Jahre früher gemacht hatten.

Es zeigte sich, dass Frauen (nicht aber Männer), die regelmäßig unter Migräne (mit Aura) litten, häufiger kernspintomografische Läsionen im Gehirn aufwiesen, wobei diese Läsionen vor allem im Kleinhirn zu finden waren: Betroffen waren 23 Prozent der Frauen, die ein Vierteljahrhundert zuvor unter Migräne mit Aura gelitten hatten, aber nur bei 14,5 Prozent der anderen Frauen. Selbst nach Berücksichtigung anderer bekannter Risikofaktoren ergibt dies eine Odds Ratio von 1,9 (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,4-2,6).
 

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Als Erklärung bieten sich wiederholte Durchblutungsstörungen im Kleinhirn an, zu denen es bei den episodischen Schmerzattacken der Migräne kommt. Warum sie nur bei Migräne-Anfällen mit Aura auftreten und warum Männer im Gegensatz zu Frauen nicht betroffen sind, dürfte Gegenstand weiterer Untersuchungen sein, die das US-National Institute of Aging in der Pressemitteilung ankündigt.

Die beobachteten MRI-Läsionen werden als Folge von Mikro-Infarkten gedeutet. Sie sind im Alter keineswegs selten. Bei den im Durchschnitt fast 77 Jahre alten Teilnehmern der AGES-RS-Studie wurden sie bei 40 Prozent der Männer und 25 Prozent der Frauen gefunden. Die meisten einzelnen Läsionen haben vermutlich keine Auswirkungen auf die Hirnleistung. Es ist derzeit auch nicht belegt, dass Frauen mit Migräne im Alter häufiger unter Demenzen oder anderen degenerativen Hirnerkrankungen leiden.

© rme/aerzteblatt.de

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