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Medizin

Darmkrebsscreening: Kapsel-Endoskopie (noch) unzuverlässig

Donnerstag, 16. Juli 2009

Brüssel – Polypen und andere Vorstufen des Kolorektalkarzinoms können auch mit einer „Pillenkamera“ sichtbar gemacht werden, die der Patient wie ein orales Medikament schluckt. In einer randomisierten Studie im New England Journal of Medicine (2009; 361: 264-2709) erzielte diese Kapselendoskopie beachtliche Ergebnisse, sie übersah aber einige Krebserkrankungen. 

Die Kapselendoskopie wird derzeit vor allem bei unklaren Befunden in jenen Bereichen des Dünndarms eingesetzt, die mit der konventionellen Endoskopie nicht oder nur sehr umständlich erreicht werden können.

Die Technologie könnte jedoch auch für Menschen, die vor einer Koloskopie zurückschrecken, eine Perspektive für die Darm­krebs­früh­erken­nung sein. Die Darmvorbereitung beliebt allerdings weiterhin notwendig. Sie ist mit dem Trinken mehrerer Liter eines Abführmittels mit einem unangenehmen Geschmack verbunden – objektiv gesehen der unangenehmste Teil der Untersuchung. 

Auch die 328 Teilnehmer einer multizentrischen Studie (unter Beteiligung der Asklepios Klinik in Hamburg), alles Patienten mit bekannter oder vermuteter Erkrankung, kamen um diese Prozedur nicht herum – zumal sie neben der Kapselendoskopie auch noch eine konventionelle Koloskopie über sich ergehen lassen mussten.
 

Der Vergleich zeigte: Die “PillCam COLON” der Firma Giving Imaging ist der Koloskopie noch unterlegen. Polypen von der Größe ab 6 mm wurden mit einer Sensitivität von 64 Prozent und einer Spezifität von 84 Prozent erkannt, berichtet André Van Gossum von der Erasmus Universität in Brüssel. Für fortgeschrittene Adenome betrug die Sensitivität 73 Prozent und die Spezifität 79 Prozent. Von 19 Karzinomen zeichnete die Video-Kapsel nur 14 auf. Fünf Erkrankungen wurden übersehen.

Die Studie wurde mit der ersten Generation der PillCam COLON durchgeführt. Die Kapsel der Maße 31 x 11 mm enthält an beiden Enden eine kleine Videokamera, die während der zehnstündigen Fahrt durch den Darm 4 Bilder pro Sekunde anfertigt.

Eine Kamera der zweiten Generation mit größerer Auflösung, einem weiteren Aufnahmewinkel und automatischer Belichtung sei in der Entwicklung, versichert der Hersteller, der die Kamerapille in Europa für etwa 950 Euro anbietet.

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© rme/aerzteblatt.de

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