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Medizin

Systemischer Lupus erythematodes: Erstmals wirksames Biological

Montag, 20. Juli 2009

Rockville – Der monoklonale Antikörper Belimumab hat in einer Phase-III-Studie die Krankheitsaktivität beim systemischen Lupus erythematodes (SLE) gemildert. Es wäre bei einer Zulassung das erste neue Medikament zur Behandlung der Kollagenose seit mehr als vier Jahrzehnten. 

An einem SLE leiden in Deutschland etwa 40.000 Patienten, vor allem jüngere Frauen im gebärfähigen Alter. Die Manifestationen sind sehr variabel, der Verlauf schubförmig, was den Nachweis einer Wirkung bei neuen Medikamenten erschwert.

Während bei anderen Autoimmunerkrankungen in den letzten Jahren Erfolge mit sogenannten Biologicals erzielt wurden, ist beim SLE die Liste der erfolglosen Studien lang. Roche scheiterte mit Rituximab (MabThera®) und Mycophenolat (CellCept®), Bristol-Myers Squibb mit Abatacept (Orencia®), Merck mit Atacicept. Prestaron (Prestara®) von Genelabs Technologies erfüllt die Hoffnungen ebenso wenig wie Edratide von Teva oder Abetimus (Requent®) von La Jolla.

Auch Belimumab, ein neuartiger monoklonaler Antikörper (Hemmung von B-Lymphozyten über die Inhibition des B-Lymphocyte stimulators) von Human Genome Sciences aus Rockville/Maryland erfüllte in einer Phase-2-Studie nicht die Erwartungen. Der Hersteller gab jedoch nicht auf und begann mit finanzieller Unterstützung von GlaxoSmithKline nach eigenen Angaben das größte klinische Programm, das jemals bei SLE-Patienten durchgeführt wurde.

An den beiden „Studies of Belimumab in Subjects With Systemic Lupus Erythematosus“ (BLISS) nahmen mehr als 1.600 Patienten teil. Die sorgfältige Auswahl der Patienten (Diagnose nach Kriterien des American College of Rheumatology, aktive Erkrankung, stabile SLE-Therapie) sollte sicherstellen, dass die Wirkung in einer klar definierten Patientengruppe nicht übersehen wurde – möglicherweise ein Fehler der Phase-II-Studie.

Eine lange Studiendauer von 52 Wochen sollte ausschließen, dass der schubförmige Verlauf und die gute Placebowirkung die Ergebnisse verwässern. Jetzt liegen die Ergebnisse von BLISS-52, der ersten der beiden Studien vor. Die Ergebnisse von BLISS-76 sollen im Verlauf dieses Jahres folgen.

Primärer Endpunkt war die Ansprechrate nach 52 Wochen: Gefordert wurde eine Reduktion um mindestens 4 Punkte im SELENA SLEDAI-Index, der die Krankheitsaktivität misst. Es durfte außerdem keine Verschlechterung in der Globalbeurteilung durch den Arzt (Physician’s Global Assessment) auftreten, ebenso kein neuer Organbefall im BILAG A-Score.

Am Ende kam es in der höheren Dosierung bei 57,6 Prozent und bei der niedrigeren Dosierung bei 51,7 Prozent der Patienten zu einer klinischen Verbesserung, der aber ein Therapieerfolg in 43,6 Prozent der Patienten im Placebo-Arm gegenüberstand. Alle Studienteilnehmer erhielten zusätzlich eine Standardtherapie.

Der Unterschied ist nach Auskunft des Herstellers signifikant. Dies trifft auch auf sekundäre Endpunkte zu, zu denen nach Angaben in der Pressemitteilung eine steroidsparende Wirkung zählt. Genaueres wird man wohl erst der noch ausstehenden schriftlichen Publikation entnehmen können, in der Ergebnisse nicht selten von den vorher verkündeten Zahlen abweichen.

Die Zulassungsbehörden dürften die Ergebnisse der BLISS-76-Studie abwarten und auch einen genaueren Blick auf die Nebenwirkungen und Komplikationen werfen, zu der es in der Pressemitteilung, die sich in erster Linie an die Wirtschaftsmedien richtet, lediglich heißt, dass keine wesentlichen Unterschiede zum Placebo bestanden hätten.

Für Fachgesellschaften stellt sich die Frage, bei welchen Patienten sie die Therapie angesichts einer doch niedrigen Number Needed to Treat einsetzten würden. Auf die Krankenkassen kämen Mehrkosten zu, wie dies bei Biologicals bisher immer der Fall war. © rme/aerzteblatt.de

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Dorothea Maxin
am Dienstag, 24. November 2009, 10:40

Mehr Lupus-Patienten mit chronisch-aktiver Erkrankung in Studien einschließen

Ein Therapieerfolg von Belimumab von 10 - 15 % im Vergleich zu Plazebo ist eher mager. Um Überlappungen mit Spontanremissionen zu vermeiden, sollten häufiger Patienten mit langsam-schleichenden Verläufen in die Studien eingeschlossen werden.

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