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Politik

Arzneimittel: Ärzte im Osten verordnen mehr und teurer

Donnerstag, 23. Juli 2009

Berlin – Ärzte in Bremen und Niedersachsen verordnen deutlich weniger teure Originalpräparate als ihre Kollegen in den neuen Bundesländern. Auch mengenmäßig ist der Verbrauch von Arzneimitteln zwischen den Regionen in Deutschland unterschiedlich.

So verbrauchen Patienten in den neuen Bundesländern pro Kopf mehr Medikamente als Kranke in den alten Ländern. Beispielsweise gaben die Kassen in Mecklenburg-Vorpommern je gesetzlich Versicherten rund 112 Euro mehr für Medikamente aus als die Kostenträger in Bayern. Der Freistaat sowie Schleswig-Holstein und Hessen sind die Länder in Deutschland mit dem geringsten Arzneimittelausgaben pro Versichertem.

An der Spitze liegen Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Dies ergab der vom Gesundheitsforschungsinstitut „IGES“ im Auftrag des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller (VFA) erstellte Arzneimittel-Atlas 2009. 

Daraus geht außerdem hervor, dass die Kassen im letzten Jahr 29,2 Milliarden Euro für Arzneimittel und Impfstoffe ausgegeben haben. Das waren 1,5 Milliarden Euro oder 5,3 Prozent mehr als im Vorjahr. IGES-Chef Bertram Häussler nannte es „bemerkenswert“, dass in den Bundesländern, welche die Verordnung von neuen Arzneimitteln stärker begrenzen, der Verbrauch deutlich ansteigt, sobald sie generisch geworden sind.

„Das zeigt, dass Ärzte diese neuen Arzneimittel keinesfalls für verzichtbar halten, sie aber aus Kostengründen zeitlich verzögert den Patienten zugute kommen“, so der Autor der Studie.

Der Vorsitzende des VFA, Wolfgang Plischke, hob bei der Präsentation der Studie hervor, viele  Versorgungsdefizite der Vergangenheit seien mittlerweile generisch abgebaut worden. Dank der forschenden Pharmaunternehmen gebe es immer mehr therapeutische Möglichkeiten.
 

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„Haben wir gestern erstaunliche Fortschritte in der Behandlung von Aids gesehen, können wir sie morgen wahrscheinlich bei Krebs oder Rheuma beobachten.“ Aber die Frage sei, ob auch alle Patienten von diesen Fortschritten profitieren könnten.

Nur der sofortige Zugang innovativer Medikamente in den GKV-Markt gewährleiste, dass Patienten unmittelbar am medizinischen Fortschritt teilhaben könnten. Jede Restriktion an diesem Punkt würde sich unmittelbar auf die Verfügbarkeit von Innovationen und damit zu Lasten der Patienten auswirken, so Plischke.

Der VFA plädierte dafür, dass Ärzte unabhängig von ökonomischer Verantwortung im Arzneimittelsektor sein sollten. Die Mediziner sollten bei der Verordnung allein der Wirksamkeit und der Sicherheit verpflichtet sein. Entsprechend müsste eine Freistellung des Arztes von der Wirtschaftlichkeitsprüfung erfolgen, so der VFA. 

Auch KBV-Vorstand Carl-Heinz Müller hatte kürzlich eine Neuausrichtung der Arzneimittelversorgung gefordert: „Die niedergelassenen Ärzte sollen sich an medizinischen Aspekten orientieren und nur noch Wirkstoffe verordnen.“ Die Debatte um Arzneimittelpreise solle an den Ärzten vorbei gehen und von Krankenkassen und Pharmaunternehmen geführt werden. Basis der Verordnung müssten evidenzbasierte Leitlinien in Verbindung mit den Richtlinien des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses sein.

© SR/aerzteblatt.de

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