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Politik

Die ehemaligen Minister Blüm und Kleditzsch diskutieren 20 Jahre nach dem Mauerfall:

Freitag, 31. Juli 2009

Köln – Die stärkere Vernetzung der medizinischen Versorgung in der DDR hätte es verdient gehabt, im vereinigten Deutschland erhalten zu werden. Darin sind sich der letzte Ge­sund­heits­mi­nis­ter der DDR, Jürgen Kleditzsch, und Norbert Blüm, damals als Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung auch für die Kran­ken­ver­siche­rung zuständig, einig.

Bei den Verhandlungen über den Einigungsvertrag saßen sie sich gegenüber. Erstmals seit der Wendezeit vor 20 Jahre trafen sich die ehemaligen Minister jetzt wieder – in der Redaktion des Deutschen Ärzteblattes in Köln.

Bei allen eklatanten Mängeln des Gesundheitssystems sei „unter dem Aspekt, dass die Medizin ein stärkere Vernetzung braucht, die poliklinische Versorgung in der DDR ist nicht per se schlecht gewesen“, sagte Blüm. Auch nach Ansicht Kleditzschs war die Integration von ambulanter und stationärer Versorgung in der DDR von Vorteil.

„Die Polikliniken, so wie sie damals waren, wollte ich nie erhalten“, versicherte Kleditzsch. „Aber mir war damals schon klar, dass wir so etwas Ähnliches brauchen. Die Medizinischen Versorgungszentren heute sind ja Polikliniken mit neuem Inhalt und neuer Struktur.“ 
 

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Die Diskussion im Jahr 1990 um die Polikliniken fasste Blüm so zusammen: „Der gedankliche Kurzschluss war damals: Poliklinik gleich staatliches Gesundheitswesen und freie Niederlassung gleich Selbstverwaltung“. Blüm und Kleditzsch versicherten übereinstimmend,  dass vor der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 die Zeit für grundlegende Reformen gefehlt habe.

Kleditzsch: „Es gab nur einen schmalen Zeitkorridor, es musste ein funktionierendes Sozialsystem für den Gesamtstaat vorhanden sein. Alles andere wäre chaotisch gewesen und hätte mit Sicherheit zu sozialen Unruhen geführt.“ Kleditzsch (damals Ost-CDU) wurde nach der ersten freien Volkskammerwahl im April 1990 Ge­sund­heits­mi­nis­ter. Heute arbeitet er als niedergelassener Facharzt für Orthopädie in Neu-Ulm.

© Stü/aerzteblatt.de

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Avatar #91404
Stefan
am Freitag, 31. Juli 2009, 19:57

Wenn die Vergangenheit die Gegenwart küsst ...

Ach so! Wieder mal dumm gelaufen. Es hört sich ja heutzutage fast „nett“ an, wenn man jetzt, 20 Jahre später, schmunzelnd zugibt, dass vorhandene Werte des kleinen Beitrittspartners DDR einfach platt gemacht wurden ohne auch nur im Ansatz darüber nachzudenken, dass es außerhalb des politisch-agitativen gesellschaftlichen Umfeldes Dinge gab, die einfach durchaus gut waren und nicht Alles und Jedes nur aus Mangel, Armut oder einfach nur Dummheit heraus entstanden ist. Die Arroganz der kapitalstarken BRD machte alles wahllos platt. 20 Jahre ist das her! Aber niemand hat seither ernsthaft darüber nachgedacht, einzelne Elemente des DDR-Sozialsystems wieder zu reanimieren. Da gehören z.B. die flächendeckend für alle Säuglinge und Kleinkinder vorhandenen Grippen dazu, wie es sie völlig selbstverständlich in Frankreich gibt. Offenbar reichte der Makel des kommunistischen Staatssozialismusses und der oft mehr gefühlte denn reale mindere Wert der Errungenschaften in ganz bestimmten Bereichen. Der Chauvinismus der Altbundesrepublik besteht doch so bis zum heutigen Tag. Die ganze bundesrepublikanische Expertenlawine in Maßanzügen scheint auf manchem Gebiet, bei ernsthafter Rück- und Nabelschau, oft mehr kaputt zu machen denn politische Visionen zu generieren, die den Menschen wirklich helfen. Das ganze aktuelle Gezänke und Lobbyistentum hat aber dann doch wenigstens die Anmutung, gewisse Gewinnler zu haben: Arbeit für Unternehmensberatungen, denen Krankenhausbetriebe offenbar oft völlig wesensfremd sind und die man dann fast ruiniert, sowie Jobs für eine Polit- und Expertenkaste, die sich oft im realen Bild nur dadurch unterscheidet, ob sie Schlips oder Fliege trägt. Wer keinen dieser Halsschmuckstücke trägt, sollte sich wenigstens den privat genutzten Dienstwagen klauen lassen: Das hat wohl nichts mit Gesundheitspolitik zu tun, hält einem aber sicher einige Tage in den Medien und füllt das Sommerloch, welches im Bereich der Gesundheitspolitik langsam ein ganzjähriges Dauerloch zu werden droht. Das Ozonloch kann man eingrenzen, die geistige Windstille im Gesundheits-und Sozialbereich wohl nicht.
LNS

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