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Medizin

Angina pectoris: Männer leben gefährlicher als Frauen

Freitag, 7. August 2009

Galway – Männer mit Angina pectoris erkranken einer Kohortenstudie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2009; 339: b3058) zufolge doppelt so häufig an einem Herzinfarkt wie Frauen. Das kardiale Sterberisiko war sogar drei Mal höher.

Brian Buckley von der National University of Ireland in Galway hat die Daten von 40 Behandlungszentren aus Schottland ausgewertet. Dort ist die Prävalenz der Angina pectoris mit 6,6 Prozent der Männer und 5,6 Prozent wesentlich höher als in den anderen Ländern der britischen Inseln.

Die Angina pectoris ist oft die erste Manifestation einer koronaren Herzkrankheit. Es überrascht nicht, dass viele der im Durchschnitt 62 Jahre alten Patienten in den folgenden fünf Jahren einen Herzinfarkt erlitten. Eine Angina pectoris war mit einem 8,8-fach erhöhten kardialen und einem 4,2-fach erhöhtem allgemeinen Sterberisiko assoziiert. Erwartungsgemäß erwiesen sich Rauchen, Adipositas und ein früherer Schlaganfall als wichtige kardiale Risikofaktoren.

Erstaunlich war nun, dass auch ein männliches Geschlecht ein signifikanter Risikofaktor war. Vertreter des „starken“ Geschlecht mit Angina pectoris erlitten doppelt so häufig einen Herzinfarkt (Hazard Ratio HR 2,01; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,35 bis 2,97), starben fast dreifach häufiger an den Folgen der ischämischen Herzkrankheit (HR 2,80; 1,73-4,53), und auch die Gesamtsterblichkeit war um 82 Prozent erhöht (HR 1,82; 1,33-2,49). 

Über die Ursachen kann nur spekuliert werden. Denkbar ist, dass Männer ihren kardialen Symptomen gegenüber indolenter sind und deshalb erst (zu) spät zum Arzt gehen. Die erhöhte Rate von perkutanen koronaren Interventionen und Bypass-Operationen ließe sich in diese Richtung interpretieren. Interessanterweise waren diese Eingriffe insgesamt nicht mit einer verbesserten Prognose verbunden. 

Nach Auskunft der Autoren handelt es sich um die erste Studie, die den Einfluss des Geschlechts auf die kardiale Sterblichkeit bei Angina-Patienten untersucht hat. Es dürfte aber nicht die letzte bleiben. Die elektronische Erfassung von Krankendaten über einen längeren Zeitraum lädt geradezu zu derartigen Analysen ein.

Die klassischen prospektiven Beobachtungsstudien werden sie wohl nicht ergänzen, weil die Basisdaten der Teilnehmer spärlicher und wohl auch ungenauer sind. Schließlich ist es einem Arzt kaum zuzumuten, bei seinen Patienten eine Fülle von Fragebögen auszufüllen und Untersuchungen durchzuführen, die für die Diagnostik nicht erforderlich ist. © rme/aerzteblatt.de

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