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Medizin

ASS könnte Überlebenschancen von Darmkrebspatienten verbessern

Mittwoch, 12. August 2009

Boston – Die Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS), die in früheren Studien mit einer verminderten Rate von Darmkrebserkrankungen assoziiert war, könnte nach einer neuen Publikation im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2009; 302: 649-658) die Prognose von Patienten verbessern, die bereits an einem Kolorektalkarzinom erkrankt sind. US-Forscher kündigen eine randomisierte klinische Studie zu dieser Frage an.

Viele Kolorektalkarzinome exprimieren das Enzym Cyclooxygenase (COX)-2. Es stimuliert nicht nur Entzündungsreaktionen (Ansatzpunkt in der Behandlung entzündlicher Erkrankungen), sondern auch die Zellproliferation von Tumorzellen, was eine Chemoprophylaxe von Darmkrebs ermöglichen könnte.

Diese Frage war in der Vergangenheit bereits Gegenstand verschiedener prospektiver Beobachtungsstudien, darunter der Nurses Health Study (NHS) und der Health Professionals Follow-Up Study (HPFS). Sie kamen zu dem Ergebnis, dass die Einnahme von ASS mit einer eindeutig geringeren Rate von Darmkrebserkrankungen assoziiert ist. In den randomisierten klinischen Studien zeigte sich dann aber, dass diese Vorteile gegen die Blutungsrisiken einer ASS-Therapie abgewogen werden müssen.

Der Gastroenterologe Andrew Chan vom Massachusetts General Hospital in Boston hat jetzt anhand der Daten der NHS und der HPFS untersucht, ob auch Patienten, bei denen es bereits zu einer Krebserkrankung gekommen ist, von einer Therapie profitieren. 
 

Die Analyse stützt sich auf 1.279 Studienteilnehmer, bei denen im Verlauf der beiden Studien ein Kolorektalkarzinom im Stadium I, II oder III diagnostiziert wurde und von denen Daten zur Einnahme von ASS vor und nach der Diagnose vorhanden waren. Die Diagnosen lagen 11,8 Jahre zurück, sodass sich die Prognose der Patienten gut abschätzen lässt. 

Die 5-Jahresüberlebensrate der Patienten, die nach der Diagnose ASS eingenommen hatten, betrug 88 Prozent im Vergleich zu 83 Prozent bei den Patienten, die kein ASS eingenommen hatten. Die entsprechenden Zahlen für das 10-Jahresüberleben waren 74 und 69 Prozent.

Das ergibt einen gewissen Vorteil für die Einnahme von ASS. Chan errechnet eine Hazard Ratio von 0,79 (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,65-0,97), also eine signifikante relative Reduktion um 21 Prozent. Werden die Patienten mit Tumoren im Stadium I ausgenommen, in dem die Überlebenschancen ohnehin sehr gut sind, betrug die Hazard Ratio 0,82 (0,66-1,04).

Die Risikominderung um 18 Prozent war dann nicht mehr signifikant. Etwas besser waren die Ergebnisse für die Patienten, die erst nach der Darmkrebsdiagnose begonnen hatten, ASS einzunehmen. Dies war mit einem um 21 Prozent verminderten Sterberisiko assoziiert (Hazard Ratio 0,79; 0,65-0,97).

Als besonders wertvoll erwies sich die Tatsache, dass von 459 Patienten archivierte Gewebeproben des Tumors vorhanden waren, die Chan auf die Expression von COX-2 hin untersuchen ließ. Sollten die Hypothesen über den chemopräventiven Wirkmechanismus stimmen, dann sollte die Einnahme von ASS nur bei COX-2-positiven Tumoren mit einer günstigeren Prognose assoziiert sein.

Genau dies zeigen die Ergebnisse: Eine Hazard Ratio von 0,62 (0,42-0,93) lässt vermuten, dass die Einnahme von ASS die Sterblichkeit an COX-2-positiven Tumoren um mehr als ein Drittel senkt. Die Sterblichkeit an einem Kolorektalkarzinom ging sogar um fast zwei Drittel zurück (Hazard Ratio 0,39; 0,20-0,74). 

Die Ergebnisse legen den Einsatz von ASS im Rahmen der adjuvanten Chemotherapie des Kolorektalkarzinoms nahe, wobei es sicherlich ratsam ist, die Ergebnisse von randomisierten klinischen Studien abzuwarten. Denn mehr noch als bei der primären Chemoprävention müssen die Blutungsrisiken von ASS bei der sekundären Chemoprävention bedacht werden, zumal die Patienten dort Medikamente erhalten, die möglicherweise mit ASS interagieren oder das Blutungsrisiko noch erhöhen.

Die Durchführung einer randomisierten Studie ist nach Auskunft von Seniorautor Charles Fuchs vom Dana-Farber Institut in Boston bereits angedacht. Zum Einsatz kommen soll allerdings nicht ASS, sondern Celecoxib. Der selektive COX-2-Hemmer soll in der Studie mit einer Standard-Chemotherapie beim Kolorektalkarzinom kombiniert werden.

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© rme/aerzteblatt.de

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