NewsVermischtesStudie belegt Verstrickung von Jenapharm in DDR-Dopingsystem
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Vermischtes

Studie belegt Verstrickung von Jenapharm in DDR-Dopingsystem

Dienstag, 18. August 2009

Jena – Der frühere Arzneihersteller VEB Jenapharm ist einer Studie zufolge mitverantwortlich für Dopingpraktiken im DDR-Sport. Zu diesem Ergebnis kommt eine vom Nachfolgebetrieb Jenapharm selbst in Auftrag gegebene Untersuchung der Universität Jena, wie das “Thüringen Journal“ des MDR am Dienstag berichtete.

Der Historiker Klaus Latzel beschreibt darin, wie der Pharmabetrieb seit den 1960er-Jahren die sogenannten unterstützenden Mittel für den Sport herstellte. Teilweise seien die Mittel ohne klinische Tests und damit auch nach DDR-Recht illegal an Sportler gegeben worden. Außerdem habe der Betrieb Präparate entwickelt, die die Doping-Einnahme verschleierten.

Geplant wurde den Angaben zufolge die Doping-Herstellung und -Entwicklung von der DDR-Sportführung. Sie habe als “fester Bestandteil des Klassenkampfes zwischen Sozialismus und Kapitalismus“ gegolten. Allerdings sei die Leitungsebene des VEB in die Aufgaben des Staatsplanes einbezogen gewesen. Die verantwortlichen Mitarbeiter seien für ihre Arbeiten mit nennenswerten Prämien belohnt worden.

Nicht aufklären konnten Latzel und seine Co-Autoren, wie viele DDR-Leistungssportler gedopt wurden. Außerdem bleibt unklar, in welchem Ausmaß die Dopingmittel an Kindern und Jugendlichen erprobt wurden. Die Autoren begründen das unter anderem damit, dass etliche Akten der DDR-Pharmabetriebe bis 2002 vernichtet wurden.

Die Studie wurde 2005 von der heutigen Firma Jenapharm in Auftrag gegeben und mit 250.000 Euro finanziert. Sie stützt sich auf Unterlagen der DDR-Pharmabetriebe, der Forschungsinstitute und der Birthler-Behörde sowie andere wissenschaftliche Arbeiten. Außerdem befragten die Verfasser Verantwortliche des VEB Jenapharm.

Der heutige Geschäftsführer von Jenapharm, Viktor Geisler, sagte dem Sender, mit der Veröffentlichung der Studie und den Entschädigungszahlungen an die DDR-Doping-Opfer Ende 2007 „ist das Thema für uns abgeschlossen“. © ddp/aerzteblatt.de

Anzeige
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

19. Dezember 2019
München – In der Blutbeutel-Affäre hat die Münchner Schwerpunktstaatsanwaltschaft München Anklage gegen den mutmaßlichen Drahtzieher Mark S. aus Erfurt und vier Helfer erhoben. Wie die Behörde heute
Operation Aderlass: Anklage gegen Drahtzieher und Helfer erhoben
8. November 2019
Berlin – Bis Ende Oktober sind 930 Anträge auf Entschädigung nach dem zweiten Doping-Opfer-Hilfegesetz (DOHG) in Höhe von 10.500 Euro bewilligt worden. Nach einem Bericht der Frankfurter Allgemeine
930 Anträge für Doping-Opfer des DDR-Sports bewilligt
4. November 2019
Berlin – 30 Jahre nach dem Fall der Mauer haben sich die Ost-West-Unterschiede in der Gesundheit deutlich verringert. Frauen haben in den neuen Bundesländern inzwischen sogar eine minimal höhere
Lebenserwartung von Frauen im Osten etwas höher als im Westen
31. Oktober 2019
Bonn – Die Doping-Ermittlungen der „Operation Aderlass“ stehen vor dem Abschluss. „Wir sind auf der Zielgeraden“, sagte heute Kai Gräber, Leiter der Münchner Schwerpunktstaatsanwaltschaft Doping, bei
„Operation Aderlass“: Anklagen in der Blutbeutelaffäre bis Jahresende
29. August 2019
Berlin – Frauen, die bei einer Immunprophylaxe Ende der 1970er-Jahre in der ehemaligen DDR mit Hepatitis-C infiziert wurden, sollen nach Plänen des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) auch dann
Hepatitis-C-Opfern der ehemaligen DDR soll Entschädigung nicht mehr gekürzt werden
5. August 2019
Innsbruck – Im Zuge der internationalen Dopingermittlungen rings um die „Operation Aderlass“ hat es eine Hausdurchsuchung bei einem weiteren deutschen Arzt gegeben. Wie die Staatsanwaltschaft
Dopingermittlungen gegen zweiten deutschen Arzt
10. Juli 2019
Düsseldorf – Nach der großangelegten Doping-Razzia auf drei Kontinenten hat sich der Präsident der Bundes­ärzte­kammer (BÄK), Klaus Reinhardt, für ein Zertifikat für Fitness-Studios ausgesprochen.
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER