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Medizin

ADHS-Medikamente als Droge bei US-Teenagern

Dienstag, 25. August 2009

Cincinnati – Immer mehr US-Teenager missbrauchen Medikamente zur Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom (ADHS), um sich einen „Drogen-Kick” zu verschaffen. Die Folge ist eine vermehrte Zahl von Anrufen beim nationalen Giftnotruf, den eine Studie in Pediatrics (2009; doi: 10.1542/peds.2008-0931) dokumentiert.

Während Methylphenidat in der normalen Dosierung hyperaktive Kinder beruhigt, kann es bei Überdosierungen – vor allem nach intravenöser Anwendung oder „geschnupft“ – den Antrieb steigern, eine euphorische Stimmung und Halluzinationen auslösen, was es als Droge für Jugendliche interessant macht.

In Deutschland ist bisher kein Missbrauch aufgefallen – im Gegensatz zu den USA, wenn Jennifer Setlik und Mitarbeiter von der Kinderklinik in Cincinnati die richtigen Schlüsse aus ihren Recherchen ziehen. Ihre Rückfrage bei der American Association of Poison Control Center ergab nämlich, dass sich die Anfragen wegen Methylphenidat-Überdosierungen bei 13- bis 19-Jährigen in den letzten Jahren gehäuft haben.

Gingen 2005 bei den Beratungsstellen noch 317 Anrufe ein, so war die Zahl 2005 auf 581 gestiegen. Der Anstieg war größer als bei anderen Drogen, was auf eine neue Modedroge hindeuten könnte. Bedenklich ist, dass 42 Prozent der Fälle mittel-schwer bis schwere Intoxikationen betrafen. Viele Anrufe kamen wohl aus den Notfallaufnahmen. Insgesamt 4 Methylphenidat-Todesfälle waren zu beklagen.
 

Die Drogen sind leicht zu beschaffen, weil in den letzten Jahren die Verordnungen gestiegen sind. In der therapeutischen Dosierung sehen Experten kein Suchtproblem. Auch die Besorgnis, dass AHDS-Kinder, die mit Methylphenidat behandelt werden, später häufiger drogenabhängig werden, hat sich in epidemiologischen Studien bisher nicht bestätigt, teilte das US-National Institute of Drug Abuse kürzlich mit.

Yong Kim und Mitarbeiter von der Rockefeller Universität in New York kamen in den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS 2009; 106: 2915-2920) jedoch zu dem Ergebnis, dass Methylphenidat im Gehirn ähnliche Veränderungen im Belohnungssystem auslöst wie Kokain. Dies war jedoch eine tierexperimentelle Studie, die nicht unbedingt auf ein Abhängigkeitspotenzial beim Menschen schließen lässt.

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© rme/aerzteblatt.de

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