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Medizin

H1N1: Medizinisches Personal reserviert gegenüber Impfungen

Freitag, 28. August 2009

Hongkong – Ärzte und Pflegekräfte gehören zu den bevorzugten Gruppen bei der geplanten Impfung gegen das Virus H1N1 der Schweinegrippe. Nach einer Umfrage im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2009; 339: b3391) kann nicht unbedingt von einer hohen Impfbereitschaft im medizinischen Personal ausgegangen werden.

Das dicht besiedelte Hongkong ist im Umgang mit Epidemien krisenerfahren. Seit 1997 gab es mehrere Ausbrüche der Vogelgrippe in der Geflügelzucht (die jederzeit auf den Menschen hätten überspringen können) und im März 2003 war die ehemalige Kronkolonie das Drehkreuz für die kurze SARS-Pandemie.

Doch als die WHO im März 2009 die Stufe 3 des Pandemieplans zur Schweinegrippe H1N1 ausrief, war die Bereitschaft des medizinischen Personals, sich impfen zu lassen, gering: Gerade einmal 28,7 Prozent wären dazu bereit gewesen, berichtet Paul Chan von der Chinesischen Universität in Hongkong, der mehr als 8.500 Ärzte, Schwestern und anderes medizinisches Personal befragt hat.

Chan wiederholte die Umfrage im Mai 2009. Gerade hatte die WHO die Stufe 5 (von 6 möglichen) ausgerufen. Aber von einer hohen Impfbereitschaft konnte immer noch keine Rede sein. Gerade einmal 47,9 Prozent waren jetzt bereit sich impfen zu lassen, beklagt Chan, der in der bisher größten Untersuchung zur Impfbereitschaft das medizinische Personal auch nach den Motiven befragte: Die häufigsten Gründe für eine ablehnende Haltung bestand in der Sorge um mögliche Nebenwirkungen. Viele zweifelten auch an der Wirkung der Grippeimpfung oder sagten, dass sie sich einfach nicht impfen lassen wollen.

Dass eine negative Einstellung nicht auf China begrenzt ist, zeigt eine kürzlich von der Zeitschrift Nursing Times in Großbritannien durchgeführte Umfrage. Nur 30 Prozent der Krankenschwestern bekundeten eine Impfbereitschaft. Auch in Deutschland ist die Impfmüdigkeit im medizinischen Personal verbreitet. Die Impfraten bei der saisonalen Grippeimpfung liegen nach Schätzungen bei unter 15 Prozent. © rme/aerzteblatt.de

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