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Politik

Scheu vor Schweinegrippe-Impfung

Montag, 31. August 2009

Berlin – Die Mehrheit der Deutschen lehnt eine Schweinegrippe-Impfung ab. Nur 13 Prozent der Bevölkerung wollen sich gegen den H1N1-Erreger impfen lassen, wie eine Umfrage des Nachrichtenmagazins „Spiegel“ ergab.

Danach wollen 25 Prozent der Befragten die Spritze „wahrscheinlich“ haben. Auch die Bundes­ärzte­kammer rechnet mit einer schwachen Resonanz. „Die Impfaktion wird kein Renner“, sagte der Vizepräsident der Bundes­ärzte­kammer, Frank Ulrich Montgomery. Das Bundes­gesund­heits­ministerium entgegnete, man könne sich beim Schutz der Bevölkerung „nicht von augenblicklichen Stimmungen“ leiten lassen.

Laut der Umfrage sind junge Menschen besonders impfmüde. Nur 28 Prozent der 18- bis 29-Jährigen stehen der Impfung positiv gegenüber. Dabei stammten aus dieser Altersgruppe viele der bislang 15.600 offiziell registrierten Fälle in Deutschland.

Montgomery prognostizierte: „Von jenen, denen das Vakzin empfohlen wird – Übergewichtige, chronisch Kranke, Einsatzkräfte –, wird die Hälfte Folge leisten, in der Gesamtbevölkerung 15 bis 20 Prozent.“ Für mehr reichten die Kapazitäten ohnehin nicht aus. Die ersten Chargen des Impfstoffs sollen Mitte Oktober kommen.

Der Ärztefunktionär sagte, er habe Informationen, dass die Firmen nur 1,5 bis 2 Millionen Dosen pro Woche ausliefern würden. „Jeder Impfling erhält zwei Spritzen“, sagte er, „bis Jahresende kann man also vielleicht nur weniger als zehn Millionen Menschen schützen.“

Die Vorbereitungen und Vorhersagen der vergangenen Wochen bezeichnete Montgomery als „Hysterie“. Als Klinikarzt habe er mehrere Dutzend Fälle gesehen, die unter normalen Umständen größtenteils gar nicht in medizinische Behandlung gegangen wären. Noch dazu äußerte sich Montgomery „beunruhigt, dass die verwendete Kombination von Verstärkersubstanz und Impfstoff nicht nach normalen Standards getestet“ sei.

Der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, Johannes Löwer, wies die Warnungen als unbegründet zurück. Die Impfstoffe, die in Deutschland zum Einsatz kämen, hätten Zulassungs­verfahren durchlaufen und seien nach üblichen Standards auf Wirksamkeit und Verträglichkeit getestet worden. Bei Kindern und Schwangeren sei dies nicht passiert, räumte er ein.

„Wenn wir den Impfstoff vor der Zulassung an Tausenden schwangeren Frauen testen, riskieren wir, dass viele Menschen an der Schweinegrippe sterben, die mit einer Impfung hätten gerettet werden können“, betonte Löwer.

Auch das Ge­sund­heits­mi­nis­terium wandte sich gegen Montgomerys Aussagen. „Wir sind verantwortlich für den Schutz der Bürger“, teilte das Ministerium mit. Dies könne sich nicht an aktuellen Stimmungen oder Umfragen ausrichten. Die Schweinegrippe-Impfung sei freiwillig und jeder, der sich impfen lassen wolle, könne das tun.

„In der Bevölkerung herrscht die Vorstellung vor, die Grippe verlaufe mild“, sagt der Vizepräsident des Robert-Koch-Instituts, Reinhard Burger. Er warnte jedoch, dies sei nur „eine scheinbare Friedenszeit“. Sein Institut plant gemeinsam mit dem Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium für die nächsten Wochen eine Informationskampagne, um vor allem junge Menschen vom Sinn der Schweinegrippe-Impfung zu überzeugen. Impfdosen, die zunächst übrig blieben, „könnten in der Wintersaison 2010/2011 zum Einsatz kommen“, sagte Burger. Schließlich werde das Virus H1N1 die Menschheit auch künftig noch befallen.

Nach Angaben der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) breitet sich die Schweinegrippe viermal schneller aus als andere Viren. WHO-Chefin Margaret Chan sagte der französischen Tageszeitung „Le Monde“ vom Samstag, das Virus lege in sechs Wochen eine Strecke zurück, für die andere sechs Monate benötigten. Das sei „unglaublich“ schnell. Besorgniserregend sei auch, dass 40 Prozent der Todesopfer junge und gesunde Erwachsene seien, sagte Chan. © ddp/afp/aerzteblatt.de

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adonis
am Freitag, 4. September 2009, 10:00

@olfkn

Stimmt nicht:
Vaccine Administration
Q. Will two doses of vaccine be required?
A. This will not be known until the late summer- early fall, once clinical trials are completed. For planning purposes, planners should assume that two doses will be needed.

Q. What will be the recommended interval between the first and second dose?
A. This will not be known until clinical trials are complete. For planning purposes, planners should assume 21-28 days between the first and second vaccination.

Quelle: http://www.cdc.gov/h1n1flu/vaccination/statelocal/qa.htm

Ûbrigens hat das CDC gute Informationen über H1N1. Man darf ja nicht vergessen, die USA haben einen erheblichen Wissenvorsprung, da sie mit am ersten betroffen wären. Schweden hat nun seinen 2. Toten gehabt.
Die Erfahrungen und Ratschläge der USA in den Windschlagen bedeutet learning by doing.
olafkn
am Dienstag, 1. September 2009, 08:42

@adonis

Die USA impft, das ist richtig, aber im Unterschied zu Deutschland wird hier kein Booster verwendet, der eine 10 fach höhere Impfnebenwirkung hat. In unserer Abteilung bevorzugt die Mehrheit der Ärzte die Nichtimpfung!
adonis
am Montag, 31. August 2009, 17:12

Neue Theorie zum Aussterben des Neandertalers

Er wollte sich auch nicht gegen H1N1 impfen lassen.
Aber mal Spass bei Seite: Es ist wohl nicht akzeptabel, dass ein Ärztekammerfunktinär sich so negativ äussert. Damit beweisst er, dass er kein Ahnung von dem hat was vor sich geht. Als Verweis möchte ich die Stellungnahme der WHO und des CDC anfügen. Selbst die USA, die nichts für ihre Gesundheitsvorsorge der Bevölkerung zu tun pflegen, engagieren sich nun und impfen ihre Bevölkerung gratis. Das sollte auch hier dem Dûmmsten zu denken geben. Die Bundesregierung sollte nicht so viel Geld für den Wahlkampf ausgeben, sondern für die Impfung gegen die gewöhnliche Grippe und H1N1. Dazu bedarf es evt der Presse und Fernsehspots. Im anderen Fall bezeichnen wir Spezialisten der WHO, des CDC, der europäischen Gesundheitsbehörde und des Paul-Ehrlich-Institutes als inkompetent. Und das wäre fatal!"

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