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Medizin

Facelift lindert Migränekopfschmerz

Donnerstag, 3. September 2009

Cleveland – Die chirurgische Entfernung der Kopfschmerztrigger im Gesicht hat in einer Studie in Plastic and Reconstructive Surgery (2009; 124: 461-8) mehr als die Hälfte der Patienten vor weiteren Migräne-Kopfschmerzen geschützt. Die Operation soll bei Patienten wirksam sein, die auf eine Botox-Therapie ansprechen.

Die Idee für die Operation kam dem plastischen Chirurg Bahman von der Case Western Reserve University in Cleveland/Ohio, weil immer wieder Patientinnen im dafür dankten, dass die Rythidectomie („Facelift“) nicht nur ihr Aussehen verbessert, sondern auch die Migränekopfschmerzen beseitigt hätte.

Es waren die gleichen Patientinnen, bei denen auch eine Botox-Therapie wirksam war. Bei der Botulinumtherapie werden einzelne Muskeln der mimischen Muskulatur vorübergehend paralysiert. Nach einer Hypothese verhindert dies, dass die Kontraktion dieser Muskeln die Fasern des Trigeminusnerven reizen, was an empfindlichen Stellen, den Triggerpunkten, dann die Kopfschmerzattacken der Migräne auslösen sollen.

Die Dauer der Botox-Therapie ist auf einige Wochen begrenzt, eine dauerhafte Lösung könnte die chirurgische Entfernung der Trigger sein, glaubt Guyuron, der bereits vor vier Jahren erste Therapieergebnisse in Plastic and Reconstructive Surgery (2005; 11: 1-9) vorgestellt hatte.
 

Damals wie heute wurden nur Patienten behandelt, die vorher auf eine Botox-Therapie angesprochen hatten. In den meisten Fällen befinden sich die Triggerpunkte auf der Stirn, so dass die Operation technisch einem oberen Facelift gleicht. Es werden jedoch zusätzlich Teile der mimischen Muskulatur entfernt oder deaktiviert, wie es in der Pressemitteilung der American Society of Plastic Surgeons heißt.

Hatte Guyuron 2005 seine Ergebnisse noch mit einer unbehandelten Kontrolle verglichen, so führt er dieses Mal in der Kontrollgruppe eine Scheinoperation durch. Die Studie hatte ein doppelblindes Design, wie es von der evidenzbasierten Medizin gefordert wird. Ebenso wie damals berichtete mehr als die Hälfte der Patienten (57 Prozent), dass sie im folgenden Jahr keine Migränekopfschmerzen mehr gehabt hätten.

Nach einer Scheinoperation waren es nur 4 Prozent. In einem weiteren Endpunkt, der die Elimination und die Besserung der Schmerzen umfasst, war der Unterschied nicht so groß (84 vs. 58 Prozent), was Guyuron auf die gute Placebowirkung in der Behandlung der Migräne zurückführt.

Vor vier Jahren ist Guyuron mit seiner Therapie (außer in den Medien) auf keine große Resonanz gestoßen. Die chirurgische Therapie der Migräne ist umstritten. Dies gilt übrigens auch für die Botox-Therapie, deren Gelingen Guyuron ja als Voraussetzung für eine Indikation für eine Operation betrachtet.

Die jüngste Meta-Analyse auf der Basis von acht randomisierten klinischen Studien und 1.601 Patienten kommt zu dem Ergebnis, dass die Injektion von Botulinumtoxin A einer Placebobehandlung nicht überlegen ist (Pharmacotherapy. 2009; 29: 784-91).

Es bleibt abzuwarten, ob andere Zentren die Therapie aufgreifen und die Ergebnisse Guyurons in einer multizentrischen Studie überprüft wird, was eine Voraussetzung für eine Empfehlung durch die Fachgesellschaften sein dürfte. Die Erfahrung zeigt, dass die enthusiastischen Ergebnisse der Erstbeschreiber einer Therapie von anderen Ärzten nicht reproduziert werden können.

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© rme/aerzteblatt.de

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