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Medizin

Funktioneller Kernspin sagt Schizophrenie voraus

Mittwoch, 9. September 2009

New York City – Bereits vor der Manifestation einer Schizophrenie kommt es im Gehirn zu einer vermehrten Aktivität in einer bestimmten Region des Hippocampus, die US-Forscher in einer Studie in den Archives of General Psychiatry (2009; 66: 938-946) erstmals mit der funktionellen Magnetresonanztomografie (fMRI) sichtbar gemacht haben.

Der Schizophrenie geht häufig ein Prodromalstadium voraus, in welchem die Patienten noch keine „echten“ psychotischen Symptome haben. Statt Halluzinationen berichten sie über akustische Illusionen. Sie hören beispielsweise, wie der Wind ihren Namen sagt. Statt klare Wahnvorstellungen zu hegen, beschäftigen sie sich eher mit fixen Ideen, beispielsweise, dass Freunde hinter ihrem Rücken über sie reden. Etwa 35 Prozent dieser Patienten erkranken später an einer manifesten Schizophrenie.

Die zwanghafte und realitätsenthobene Gedankenwelt der Patienten geht mit einer Überaktivität bestimmter Hirnregionen einher, die wegen der begleitenden Steigerung der lokalen Durchblutung mit der fMRI gemessen und auf Schichtbildern dargestellt werden kann.

Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass der Hippocampus, das „Lern- und Gedächtniszentrum“ des Gehirns, bei Menschen mit Schizophrenie vermehrt aktiv ist. Moderne leistungsstarke Kernspintomografen ermöglichen eine detaillierte Darstellung dieser wenige Zentimeter großen Kernregion im Temporallappen des Großhirn.

Bei einem Vergleich von 18 Gesunden und 18 Patienten mit einer manifesten Schizophrenie stießen Scott Schobel und Mitarbeiter von der Columbia Universität in New York City auf die etwa 5 mm große Region CA1 des Hippocampus.

Sie ist, wie weitere Untersuchungen zeigen, nicht nur bei Patienten mit manifester Schizophrenie vermehrt aktiv. Auch bei sieben von 18 Patienten mit Prodromalsymptomen wurde eine vermehrte Aktivität festgestellt. Es waren jene Patienten, die später an einer manifesten Schizophrenie erkrankten.

Die genaue Funktion von CA1 ist nicht bekannt und deshalb Gegenstand aktueller Studien der Forscher, die sich in erster Linie neue Erkenntnisse in der Grundlagenforschung erhoffen zur Ursache der Schizophrenie, die ebenfalls unbekannt ist. Psychologische oder gar psychoanalytische Krankheitskonzepte sind aus der Mode gekommen.

Die meisten Experten deuten die Psychose heute als eine „biologische Erkrankung“ – die verunglückte Sozialisation der Patienten wird eher als Folge der Erkrankung betrachtet. Da es aber nicht zu einem Untergang von Nervenzellen kommt, ist es bisher nicht gelungen, eine „morphologische“ Basis der Psychose zu finden. Ob dies mit der fMRI gelingt, bleibt abzuwarten. Streng genommen zeigen die Bilder nur eine Veränderung der Hirnfunktion. Und die ist kein Beweis für eine pathologische Dysfunktion.
 

Eine klinische Anwendung der Erkenntnis ist vorerst nicht in Sicht. Wie aus Abbildung 3 der Studie leicht zu erkennen ist, überschneidet sich die CA1-Aktivität jener Hoch-Risiko-Patienten, die später an einer Schizophrenie erkranken, und jener, die sich wieder erholen. Ein Cut-off-Wert lässt sich nicht setzen.

Auch die von den Forschern genannte Hoffnung, dass Veränderungen in der CA1-Aktivität zur Beurteilung der Krankheitsaktivität (oder auch der Wirkung der Medikamente) benutzt werden können, ist fern der klinischen Realität. Grundlagenforscher überschätzen hier häufig die Möglichkeiten.

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© rme/aerzteblatt.de

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